Herzbruch in Curaçao – Tag 5

Oh Gott, schon 5! Das geht erschreckend schnell! Ich habe kein Interesse, nach Deutschland zurückzukehren, dort erwartet mich nur noch Drama und Siechtum, und bislang konnte ich immer sagen „erst mal Curaçao“, mir scheint aber, dass die Uhr tickt. Buchstäblich.

Also zurück nach Curaçao. Hier war heute Nacht etwas unerwartet Starkregen, der im Bett sehr gemütlich war, naja, für einen Moment überlegte ich, was alles wohl unter der Palapa nicht weggeräumt wurde, es war aber alles weggeräumt und die Palapa war wasserdicht, also doppelt kein Problem an der Stelle. Das Aufstehen war dann sehr, sehr schlecht. Nicht nur war ich schon unerfreulich weit verschoben, ich hatte auch um 9 Uhr einen Videocall und musste eine Stunde lang Dinge vorbereiten, die Wand aus 30 Grad und 150 Prozent Luftfeuchtigkeit ließ mich im Schlafzimmer neben der Klimaanlage bleiben. Nach der Arbeit machten wir uns in einem Lehrbuchstück namens ‚Trägheit der Masse‘ fertig und fuhren nach Willemstad. Erster Stopp war ein Elektronikladen. Wir stiegen aus dem klimatisierten Linienbus und wurden schon auf dem Bürgersteig von einer Dame um die 60 abgeholt, die mich begrüßte mit „Goedemorgen“, ich sagte „Goedemorgen“ zurück, sie fragte, wie sie mir im Laden denn weiterhelfen könnte, ich sagte, ich wolle eine GoPro kaufen, sie sagte „Kom maar schat“, also „Komm mit, Schatz“, und aus irgendeinem Grund war ich gar nicht angewidert. Im weiteren Verlauf sollte sie mich anfassen und tätscheln, ich blieb schat, und dann kaufte ich eine GoPro und war überwältigt von der netten kommerziellen Transaktion, die mir so in Düsseldorf wahrscheinlich nicht passieren könnte.

Eine interessante Beobachtung: Ich dachte, dass ich hier Englisch spreche, weil ich mir das so vorgestellt hatte, dass man in Curaçao so eine lokale Varietät spricht, wie in Limburg oder Groningen, und dass ich dann nicht gewöhnt bin, und dann ist alles kompliziert. Fakt ist aber, dass die Menschen hier so sprechen, wie „de gemiddelde Leidenaar“, also man spricht das „Leijenaar“, also ganz normales Standardniederländisch. Davon bin ich auch an Tag 5 noch jedes Mal wieder erstaunt. Ich spreche hier also ausschließlich Niederländisch, und ich leide an einer gewissen Bild-Ton-Schere. Eine weitere, sehr interessante Beobachtung ist folgende: Es ist jetzt mehrfach passiert, dass wir in einen Laden gehen und auf Englisch angesprochen werden, und in dem Moment, in dem ich irgendetwas auf Deutsch zu meinen Schwestern sagen, wird auf Niederländisch weitergeredet vom Personal. Nun ist es so, dass man das mit uns ja machen kann, aber ich wage zu bezweifeln, dass es viele Deutsche Reisegruppen gibt, die nahtlos zwischen Deutsch, Englisch und Niederländisch switchen können. Aber gut. So ist das jetzt auf Curaçao, es ist nach 17 Jahren auch mal wieder lustig, in einer niederländischsprachigen Umgebung zu wohnen. Dass man hier meist auf Niederländisch angesprochen wird, hat übrigens absolut seine Berechtigung. Wir haben bis dato noch keine nicht-niederländischen Touristen gesehen.

Willemstad war jedenfalls viel zu warm, es wurde die ganze Zeit rumgesessen und gewedelt, und irgendwann wollte ein relevanter Teil der Reisegruppe wieder zurück. Zwischenstopp im großen Supermarkt, der für die Locals und nicht für Reisende ist, und da konnte man auch Dinge wieder halbwegs bezahlen. Bis auf Weintrauben, die waren auch dort absurd teuer, und leider möchte ich nichts lieber essen als Weintrauben. Aber ich verkneife es mir. Auffällig günstig ist übrigens Hai. Also der Fisch. Kilopreis 7,50 Gulden, grob durch 2 ist man beim Euro. Sieht aus wie Thunfischsteak, und das esse ich ja wirklich sehr gerne. Wir gucken mal, ob wir vielleicht noch Hai essen. Bei Leguan bin ich leider raus.

Als wir um 17.30h wieder zuhause waren, überlegte ich kurz, wie sehr ich es bereuen würde, wenn ich in der Karibik wäre und einen ganzen Tag nicht im Meer schwimme, also klebte ich meinen Bauch ab und fuhr mit einer Schwester noch schnell zum Strand Daaibooi, der mit dem Auto etwa 3 Minuten entfernt ist. Ich testete die neue GoPro, morgen ist ja der große Tag, Content Creation am Kleine Knip, alles funktionierte hervorragend, und nach einer Runde im Meer sprangen wir unabgetrocknet einfach ins Auto und waren 3 Minuten später schon unter der Dusche. Als Tagesabschluss fuhren die Nichte und ich noch zum einzigen, dafür sehr gut besprochenen Food Truck und kauften große Mengen Abendessen. Und weil das etwas schwer im Magen liegt und der Tag lang war, höre ich jetzt auf und melde mich morgen wieder mit Fischcontent.

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