Hui, schon quasi vorbei. Das ist natürlich insgesamt schlecht. Also wirklich insgesamt, ich hatte in den letzten Monaten immer nur *bis* Curaçao gedacht, nie bis *nach* Curaçao. Schlecht.
Dafür war heute aber noch einmal ein sehr, sehr schöner Tag. Ona und ich standen sehr früh auf, dann spielten wir eine Runde „Beeil dich mal“, das geht so: Ein Teenager sitzt mit dem Handy auf dem Sofa, nachdem er vor 10 Minuten aufgestanden ist, Haferflocken gegessen hat, Zähne geputzt, aus der abends gepackten Strandtasche der Mutter Sonnencreme genommen und dann irgendwo hingestellt hat, die Mutter rennt hinterher und räumt alles wieder weg, macht sich ein Käsebrot, damit sie Medikamente nehmen kann, verbindet sich den Bauch, sucht die Sonnencreme, die nicht mehr in der Tasche ist, und monitort ihren Puls, der mit jedem „beeil dich mal“ höher schlägt. Im Auto besprachen wir dann angeregt Alternativen zu „beeil dich mal“, so könnte zum Beispiel die Person mit dem Handy auf der Couch ja auch mal was wegräumen, oder selber die Sonnencreme wieder an ihren Ort in der Strandtasche packen, oder – und jetzt kommt der Teil, der mit 17 ja auch mal vorsichtig angedacht werden kann – einfach mal was fragen, zum Beispiel „soll ich die Flossen schon mal ins Auto bringen“ oder sowas, aber kleine Schritte, kleine Schritte.
Irgendwann waren wir dann am nördlichen Rand von Willemstad bei der Tauchlehrerin, machten Papierkram, Ona musste seine Testergebnisse zeigen, er hatte am Vortag zwei Stunden lernen und einen Test ablegen müssen, dann erklärte sie, wie das alles abläuft, und ich hatte insgesamt ein sehr gutes Gefühl. Die Ausrüstung wurde gecheckt, und das akribischer und mit sehr viel mehr Erläuterung, als wir es bei den letzten Malen erlebt hatten, dann das Prozedere im Wasser erklärt – sie würden sich erst auf 4 Meter einmal unten hinknien und ein paar Übungen machen, die sie erklärte, so Dinge wie Atemregler raus und wieder rein, Maske ausblasen, nach dem verlorenen Atemregler angeln, etc., und wenn das alles gut klappt, würden sie weiterschwimmen zum Tugboat, und dann weiter raus und runter auf 12 Meter. Bis zur Riffkante könnte ich einfach oben drüber schwimmen. Und so machten wir es dann auch. Ich dümpelte über den Beiden und guckte von oben stolz zu, und da Ona – und ja, ich weiß, ich bin seine Mutter – nicht nur schwimmt wie ein Fisch sondern auch so lang und elegant ist, wenn er nicht mit krummem Rücken, coolem Gang und grimmigem Gesicht draußen Teenager ist – wirklich schön anzusehen ist beim Tauchen, war ich insgesamt wirklich sehr ergriffen. FOMO hatte ich nicht, naja, ein bisschen, aber dass Tauchen keine Option ist, merke ich beim Schnorcheln ab 2 Meter sofort, das klappt mit dem Blasendruck wirklich gar nicht. Physiologisch kann ich das nicht erklären, aber ich kann nicht tiefer tauchen. Ist dann so. Ich schwomm also lange über ihnen, beobachtete begeistert, wie responsiv mein Kind ist, wenn eine andere Person mit ihm kommuniziert als ich, dann kamen wir zum Tugboat, das okay war aber auch nicht überwältigend, zudem umzingelt von Schnorchlern und Tauchern, und dann drehten die Beiden auch schon ab über die Riffkante, ich dümpelte noch ein bisschen über dem Boot, kriegte ständig irgendwelche Flossen von Menschen ab, die aussahen, als würden sie radfahren, und entschied, dass ich ein bisschen an der Riffkante langschwimme, das sprach mich mehr an. Dann passierte etwas Lustiges.
Ich schwomm ein paar Minuten vom Boot weg, da kam mir ein recht großer Schwarm Doktorfische entgegen, wir guckten uns kurz an, und dann drehten alle um und schwammen in die gleiche Richtung wie ich gerade. Ich fand sie extrem hübsch, der Großteil war leuchtend blau, ein paar waren violett, und etwa fünf ganz falsche Fische hatten sich eingeschlichen und schwammen mitten im Pulk mit. Das war schön anzusehen, sie wirkten auch sehr entspannt, und ich kam auf die Idee, einfach eine halbe Stunde mit ihnen mitzuschwimmen, die anderen durften das ja auch. Und so machte ich das dann. Sie schwammen an der Riffkante entlang, ich schwamm mit und filmte die ganze Zeit. Vorher hatte ich natürlich auch Ona von oben gefilmt, musste aber hinterher zuhause leider feststellen, dass es zum Schwimmen zwar sehr schön war, dass es recht bewölkt war (gut, auf den Wind, der ordentlichen Wellengang brachte, den ich kaum erlebt hatte in den Tagen, hätte ich verzichten können), allerdings waren die 60 Minuten Filmchen, die ich gemacht hatte, auch alle sehr wenig ansehnlich. Man sieht in erster Linie Türkis, und irgendwo unten schwimmen Menschen, oder Türkis, und irgendwo da sind dunkle Fische. Sehr schade, auch für meine Instagram-Karriere, aber ich kann mir das trotzdem ansehen und mich daran erinnern, wie glasklar ich mein Jungtier unter mir tauchen sah und wie knallblau die Doktorfische waren. Bestimmt eine 3/4 Stunde bin ich also mit den Fischen mitgeschwommen, sie hatten es nicht eilig, ich aber auch nicht, irgendwann sind sie zum Algenputzen alle wieder zum Tugboat geschwommen, und dann wieder weg, und dann kam mir auch schon Ona entgegengetaucht. Das war schön.
Dann wieder das gesamte Brimborium mit der Ausrüstung und den Handtüchern und den nassen Badesachen und dem Ventil, und dann fuhren wir zurück. Wir fuhren noch in die im Werden befindliche Sea Turtle Rescue Station, für die die Tauchlehrerin ehrenamtlich arbeitet und zu der sie einen Schlüssel hat, aber dazu schreibe ich morgen etwas, ich bin zu müde, um das alles ordentlich auf die Reihe zu kriegen. Dort standen wir jedenfalls kurz in der Sonne, und dann sah ich Punkte vor den Augen. Dann drehte sich alles, und dann – wir hatten uns schon alles angucken dürfen – gingen wir schnell zurück zum Auto. Dort wurde mir sehr schlecht. Der Kreislauf war komplett weg, ich konnte nicht mehr gucken und plante schon, welche der Taschen, die ich mithatte, zur Not wasserdicht ist, wenn mir noch schlechter würde. Im Kopf ging ich mögliche Ursachen durch. Fieber: Nein. Sonnenstich: Unwahrscheinlich, war sehr bewölkt und ich war weniger lange im Wasser, als an allen Tagen davor. Dehydrierung: Auch unwahrscheinlich, ich hatte brav vor und nach dem Schwimmen viel Wasser getrunken, schon alleine deshalb, weil ich gestern mit der 50% Chance ins Bett ging, dass ich heute eine dicke Blasenentzündung haben würde, so fühlte es sich an, war aber zum Glück dank kluger Medikamentierung und vielen Litern Wasser nicht eingetreten. Unterzuckerung: BÄÄÄM. Ja. 8 Uhr ein Käsebrot, dann viel Akion bei 30 Grad, dann über eine Stunde geschwommen, jetzt war es 14 Uhr, vermutlich hatte ich alles verbrannt, was es gab. Und dann fiel mir eine wichtige Sache ein, ich bin noch immer von mir selber ganz begeistert. Da mein Kreislauf seit der Krankheit nicht besser geworden ist und mein Blutdruck immer extrem niedrig, hatte ich beim Packen in Deutschland die gute Idee, ich könnte ja eine Packung Dextro Energen mitnehmen. Am Strand habe ich immer ein Konvolut aus drei Taschen dabei, eine mit Handtüchern und allem, was nass und sandig werden darf, einen Schauspielhaus-Jutebeutel, in dem alles ist, was ich wichtig finde und der üblicherweise im Auto bleibt, also Handy, Lippenpflege, etc., und ein zweiter Jutebeutel, den ich in Amsterdam am Flughafen kaufen musste, weil ich meinen Katheter-Mopsbeutel vergessen hatte und noch nicht so abgestumpft bin, dass ich in der Öffentlichkeit mit dem nackten Beutel rumlaufe, naja, jedenfalls in dem Jutebeutel mit Tulpen aus Amsterdam sind alle Dinge, die in einer perfekten Welt steril wären, also alle medizinischen Notfalldinge für das Loch im Bauch. In dem mittleren Beutel, so erinnerte ich mich, hatte ich am ersten Tag das Dextro Energen deponiert, und tadaa, es war noch da. Ich aß also eins, trank dazu noch mal ordentlich Wasser, und 5 Minuten später war ich wieder fit.
Zuhause dann noch mal chillen, duschen, chillen, dann essen und sehr lange mit den anderen unter der Palapa gesessen und geredet. Jetzt schlafen. Ob ich morgen früh wirklich alleine zum Playa Grandi fahre, um noch einmal auf Schildkröten zu hoffen, entscheide ich spontan, je nach Zustand der Blase – die ich übrigens ausdrücklich loben möchte. Niemand, ich noch am allerwenigsten, hatte erwartet, dass die wirklich 11 Tage durchhält. Ich hatte gehofft, dass ich 5 gute Tage habe, damit wäre ich zufrieden gewesen. Dass ich jeden einzelnen Tag so viele Stunden schwimmen kann, hätte ich nie zu hoffen gewagt. Mich kennend habe ich morgen mit Sicherheit nach dem Aufstehen solche FOMO, dass ich sofort ins Auto springe, bevor ich dann um 15 Uhr zum Flughafen fahre und nach Kackdüsseldorf fliege. Aber gut. Das ist dann leider so.
<3!
bis auf die Sache mit dem Kreislauf klingt alles so wunderbar, und selbst das ging ja gut aus.
bin sehr gespannt auf die Malediven!!!
(Doktorfische sind Dorie, oder?)