Herzbruch in Curaçao – Teil 8

In den letzten Tagen hatte ich etwas Hummeln im Hintern, to say the least. Ich litt unter einer ständigen Schnorchel-FOMO, da ich zu jeder Tageszeit dachte, dass da draußen noch sehr viele kleine Buchten sind, und wer weiß, was ich da alles noch sehen würde. Also habe ich alle genervt mit meinem Aktionismus, zumal nur Ona und ich Hardcore-Schnorcheln mit größeren Distanzen, also musste da ein bisschen geplant werden. An bislang allen Stränden haben wir viele Fische und ein paar coole Korallen getroffen, aber das Erlebnis, das mit meiner Vorstellung vom karibischen Meer übereinstimmte, war noch nicht ganz dabei.

Gestern Nachmittag, ich schrieb es bereits, waren wir am Playa Lagun und sind falschrum rausgeschwommen mit nur einem Schnorchel, heute machte sich die gesamte Reisegruppe um 9 Uhr auf, den Strand noch einmal zu besuchen, zum Liegen und Planschen, bzw. zum rechtsrum Rausschwimmen. Ona und ich schwommen direkt bei Ankunft los, und holy shit. Das war das Erlebnis, das ich mir vorgestellt hatte. Unfassbare Korallen, Schlangen, absurde Fische, und als vermutlich Höhepunkt ein Schwarm von mittelgroßen Fischen, etwa so lang wie ein Fuß Größe 36, der sich plötzlich wie eine schwarze, riesige Wand vor uns aufbaute, und ehe wir uns versahen, waren wir mittendrin. Ich rede jetzt nicht von 100 Fischen, sondern von mehreren 100.000, es war wirklich, wirklich absurd. Beeindruckend, könnte man sagen, aber nicht zwingend die gute Sorte. Na gut, die Fische ignorierten uns und schwammen mit uns mit, ich ignorierte den Gedanken, was wäre, wenn die jetzt finden würden, dass wir doof sind, und irgendwann trennten sich die Wege. Das war wirklich groß! Dann gab es noch eine Höhle, etwa einen Meter unter der Oberfläche, und ich dümpelte lange davor und guckte, wie tausende Fische rein- und rausschwammen. Vielleicht ist das die natürliche Folge, wenn man eine Woche 24/7 mit einem Teenager unterwegs ist, aber plötzlich packte mich eine gewisse Hybris, und ich wollte mal gucken. Ona winkte sofort ab, ich signalisierte weiterhin Interesse, er tauchte einmal hin, kam wieder hoch und sagte: „Absolut ausgeschlossen“, und weil man auf Erwachsene ja hören soll, schwammen wir weiter. Ich sollte später lernen, dass meine Theorie, dass da eine Luftblase drüber ist, nicht stimmte. Aber gut, ich bin mutig, also nicht irre, und wir haben hinterher besprochen – also Ona mit mir – dass wir niemals mit Schnorcheln in irgendwelche Höhlen tauchen. Machen wir so.

Nach dem Schnorcheln – die Blase war nicht so begeistert heute – musste ich den Verband abmachen, und neu abkleben mit Salz und Sand überall war keine Option. Wir aßen etwas in der Beach Bar, die anderen Reiseteilnehmerinnen wollten noch etwas bleiben, Ona und mir war warm, ich wusste, dass ich schlimm FOMO kriegen würde, wenn ich nicht mehr ins Wasser darf, also machten wir zu zweit einen lustigen kleinen Roadtrip. Das war sehr schön, to say the least. Wir guckten uns die Ostseite der Insel an, wo es keine Badestrände gibt, dann fuhren wir noch zwei Strände an, die ich sehen wollte, beschlossen in beiden Fällen, dass wir da nicht schwimmen müssen – Santa Cruz sah im Prinzip gut aus, und Schnorcheln soll auch ein Erlebnis sein, es war uns aber komplett unklar, wie wir lebendig vom Strand wegkommen sollten. Jetskis sind ein Thema für Schnorchler.

Wir fuhren irgendwann zurück, duschten alle, und dann wollten Ona und ich Flamingos gucken. Erst wollte niemand mit, dann waren plötzlich alle geduscht, also fuhren wir im Rudel. Wir wohnen quasi neben der Saline, die das Zuhause der Flamingos ist, und kurz vor Sonnenuntergang kann man sie von einer Plattform aus beobachten. Wir kamen 20 Minuten vor Sonnenuntergang an und sahen: Nichts. Irgendwann entdeckte Ona mit seinen jungen Augen eine große Gruppe in weiter Ferne, aber deutlich zu weit weg, als dass man irgendwas erkennen könnte. Vor der Plattform stand ein einzelner Flamingo, irgendwann flog er weg, wir warteten noch ein paar Minuten und entschieden dann, dass das wohl heute kein guter Flamingotag sei, und gingen zum Auto, das etwa 20 Meter von der Plattform entfernt geparkt war. Bis alle eingestiegen und angeschnallt waren, dauerte es etwa eine Minute, und als ich losfuhr, sagte Ona: „Lustig ist ja, dass da jetzt alles voll Flamingos ist“, wir dachten, er sei „lustig“, fragten sicherheitshalber noch mal nach, nein, er sei nicht lustig, also wieder rückwärts in die Parklücke, ausgestiegen und zack – Flamingos. Check, haben wir das auch gemacht.

Dann fuhren wir zum Pink Iguana. Vorgestern, nach meinem kleinen Katheter-Mishap, war ich vorsichtshalber in liegender Position zuhause geblieben, und Ona kam sehr beseelt zurück. Die Besitzerin, Penny, vielleicht Ende 50, Texanerin, war sehr zugewandt und erzählfreudig, hat Ona sogar ein veganes Essen selbst gemacht, und insgesamt fanden alle das ein gutes Erlebnis. Heute sollte es also noch einmal dorthin, mehr amerikanische Küche vertragen unsere Körper nicht. Wir saßen also dort, tranken Cocktails, ich meinen ersten Curaçao, er war allerdings rot, und aßen. Am Nebentisch saß ein Paar, offensichtlich Locals, allerdings viel die Einordnung mir schwer. Er war optisch Holländer und sprach auch so. Sie konnte ich gar nicht vernünftig zuordnen, sie sprach mit ihrem Hund Niederländisch, mit Penny Englisch, die Diskussionen mit anderen Locals gaben preis, dass sie irgendein Business haben, und irgendwann schrie Penny irgendetwas aufgeregt, als ihr klar wurde, dass wir alle Deutsche sind. Maren war Besitzerin einer Tauchschule, und dann eskalierte die Situation schnell: Sie kam an unseren Tisch, Ona und ich hatten Fragen, wo schnorcheln wir in welche Richtung, rechts oder links, wir hatten da bislang kein glückliches Händchen und sind immer erst mal falschrum rausgeschwommen, Sie erinnern sich. Wir besprachen Bucht für Bucht, dann landeten wir bei Lokalpolitik, Schildkrötenrettung, dass man bei der Immigration keine Flipflops tragen darf, wie doof die Einheimischen finden, wenn man dort wohnen und arbeiten möchte, worst case, wenn man aus den Niederlanden kommt, und so weiter und so fort. Dann wieder Schnorcheln und Tauchen, und dann fragte Ona, wieviel FOMO ich wohl hätte, wenn er einen Tauchgang mit ihr machen würde. Die Antwort war einfach: sehr viel nämlich, aber ich freute mich natürlich auch sehr für ihn. Es wurde sogar noch eine gute Lösung für mich gefunden: Wir wollten ursprünglich zwei Sachen in Willemstad schnorcheln, nämlich Directors Bay und Tugboat. Irgendwie hatten wir das doch verworfen, unsere Gedankengänge dazu hatten wir länglich erklärt, und dann kam Maren auf die schöne Idee, dass sie Dienstagmorgen mit Ona am Tugboat taucht, und mich lässt man einfach an der Oberfläche zurück, und ich schnorchele da vor mich hin. Zum Directors Bay kann ich sogar schwimmen, das ist unter ein Kilometer, ich gucke einfach wie ich in Form bin, und dann mache ich das, alternativ hänge ich über dem Boot an der Oberfläche und filme Ona von oben.

So war das. Jetzt schlafen. Morgen früh müssen Ona und ich früh raus für eine erste Runde. Playa Jeremi. Wir müssen rechtsrum aus der Bucht schwimmen!

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