Herzbruch auf Curaçao – Teil 4

Tag 4, die Blase hält. Niemand ist darüber erstaunter als ich, aber gut, ein Plan muss ja auch mal aufgehen. Unaufwändig ist das alles nicht, soviel sei gesagt, ich habe ja den Anspruch an mich und meine Versorgungskünste, dass ich es den ganzen Urlaub durch schaffe, dass weder Pool- noch Meerwasser auch nur in mikroskopischen Mengen in die Nähe von Katheterloch oder Katheteraufbau kommt. Also muss das gesamte Gelöt wasserdicht abgeklebt werden, und da das gute Duschpflaster, von dem ich zwei 10-Meter-Rollen mitgenommen habe, sehr gut klebt, zum Beispiel auf Schläuchen, wird natürlich noch eine Schutzschicht mittelgut klebenden Fixomulls dazwischengeklebt, und wenn man weiß, wieviel Schlauch und wieviel Gelöt da so ist, dann weiß man halt auch, wie anstrengend das Abkleben so ist. Aber gut, ich kann das scheinbar ganz gut, bislang gab es keinen Unfall. Heute morgen hatte ich den Wunsch, das Ganze so abzukleben, dass ich in einer separaten Schicht nach dem Schwimmen nur das Ventil wieder befreien kann, das brauche ich ja ständig, und so habe ich mit insgesamt 10 Schichten Verband bzw. Duschpflaster ein sehr kompliziertes Konstrukt gebaut, um dann nach dem Schwimmen festzustellen, dass ich das Bedürfnis habe, das Pflaster abzumachen, um zu gucken, ob alles in Ordnung ist, und dann weiß man das auch. Morgen wieder das alte Zweischichtsystem.

Heute Morgen jedenfalls wurde ich erschütternd spät wach, wir scheinen allesamt schon so gut wie auf Lokalzeit verschoben zu sein, das galt es eigentlich zu verhindern. Ich war dennoch um 7 die erste wache Person, machte einen Kaffee und kriegte dann kurz ein bisschen Panik. Schon Tag 4, der lose besprochene Tagesplan war eigentlich für meine Schnorchelwünsche zu unambitioniert, aber man konnte natürlich auch mal den Tag in einzelne Parzellen teilen, und wenn ich sehr früh unterwegs wäre, würde ja weder mich noch das Auto jemand vermissen. Ich entschied, mich in Duschpflaster einzuwickeln und zum Kleine Knip zu fahren, ein kleiner Strand mit guten Schnorchelspots. Vom Geräusch der Kaffeemaschine wurde das erste Gemüse angelockt, das dann mitfahren wollte, die Schwestern standen auch auf und wollten nicht mitfahren, konnten sich aber gut vorstellen, einfach nichts zu machen, und der Teenager wurde geweckt und vor die Wahl gestellt: Schnorcheln oder nichts machen. Er wollte schnorcheln.

Kleine Knip war toll. Kleine Bucht, toller Strand, als wir ankamen noch völlig menschenleer, und unter Wasser ab Minute 2 wirklich viel zu gucken. Wir schwammen los, das Gemüse blieb direkt an der ersten Koralle hängen, ich schwamm und schwamm und schwamm, raus aus der Bucht, um die Ecke und immer weiter. Es gab wirklich viel zu sehen, zig Korallen, zig lustige große Fische, Millionen lustige kleine Fische. Fische in allen Farben, die ich kenne. Was natürlich sehr gut gewesen wäre, wenn ich die GoPro, die ich in der Badehose trug, auch hätte benutzen können, allerdings war die in Sekunde 1 nach Wassergang schon kaputt, eine Klappe war offen, das Ding war geflutet. Ob ich die Klappe offen gelassen hatte oder all die Michaels, die in Rezensionen schrieben, dass diese Klappe unter Wasser aufgegangen ist und die Kamera Schrott war – wir werden es nie erfahren. Was natürlich sehr schlecht ist, ist, dass ich hier bin, um Erinnerungen zu kreieren, und momentan sind wir da noch nicht sehr weit. Nach längerem Hadern – nicht mein Stil – habe ich in Willemstad einen Laden ausfindig gemacht, in dem ich jetzt morgen eine neue GoPro kaufen werde. Ich brauche Bewegtbild.

Zurück zum Kleine Knip: Ich schwamm wirklich lange, irgendwann drehte ich mich mal um und stellte fest, dass ich dringend mal zurück müsste, ich war sehr weit weg vom Ende der Bucht. Problem ist, dass man ja immer noch einen Fisch und noch einen Fisch und noch eine Koralle sieht, und dann schwimmt man da noch hin, und noch weiter, und noch weiter, von Fisch zu Fisch. Irgendwann tauchte ich einem hinterher, seitdem höre ich rechts nichts mehr. Das nervt, aber gut, wir haben ja noch viele Tage, um uns Dinge zu erzählen, da kommt es jetzt auf einen Tag auch nicht an. Ich drehte also um und schwamm zurück, und unmittelbar wollte ich die Augen so rollen, wie es sonst nur Marfa kann, ich hatte nämlich schon wieder völlig unterschätzt, dass es für den Rückweg ein sehr schlechtes Zeichen ist, wenn man auf dem Hinweg so beschwingt Meter machen kann. Ich starrte auf den Grund und kam kaum von der Stelle. Irgendwann kam Ona mir entgegen, und im Asterix käm hier jetzt eine Sprechblase mit ganz vielen Satzzeichen, ich war wohl lange und weit weg, und er musste das alles hinterherschwimmen, Unverschämtheit. Ich würde das ja anders sehen, endlich auch mal Beine trainiert.

Der Rückweg war also lang und mühsam, aber immerhin konnte ich all die Dinge, die ich auf dem Hinweg gesehen hatte, auf dem Rückweg noch mal sehen, und das hat das ein bisschen angenehmer gestaltet. Als wir wieder am Strand angekommen waren, hingen wir noch ein bisschen im Meer rum, trockneten uns wieder und fuhren wieder weg. Die Tanten wollten dann auch was machen, also gingen wir kurz in den Pool, um uns zu entsanden (ich hasse Sand, aber gut, man kann nicht alles machen), zogen uns neue Badekleidung an und fuhren wieder los. Playa Porto Marie, eher ein touristisch erschlossener Strand, dafür mit freilaufenden Schweinchen, sollte es sein, wir fuhren hin, parkten, guckten auf dem Strand einmal rechts und links und fuhren wieder. Liege an Liege Partymusik, wenn ich jemals in mir den Wunsch verspürt hätte, da zu liegen, hätte ich ja auch mal in so einen Urlaub fahren können. Also weiter zu Cas Abao, da sollte es eine Restauration geben, ich wollte da auch ein bisschen schnorcheln, letztendlich bin ich nicht geschnorchelt, wir saßen an einem Tisch und aßen Pommes, die Schlange an Menschen in Bademode am Pommesschalter gab mir das Gefühl von Freibad 1985, das Gemüse schwamm noch mal, und irgendwann war dann auch gut. Also drei Strände in einem Tag, das war hocheffizient, so kann es weitergehen.

Morgen werden wir irgendwann alle angezogen sein, dann fahren wir nach Willemstad, ich besorge die neue Kamera, wir gucken uns ein bisschen was an, und dann versuchen wir noch mal unser Glück in einem Supermarkt, dieses Mal in einen lokalen Geheimtip. Mal gucken, ob man da was kaufen kann, was man auch bezahlen möchte. Übermorgen fahren wir früh allesamt zum Kleine Knip, ich werde die Kamera hoffentlich haben und schnorcheln, man wird mit mir schimpfen, weil ich zu weit rausschwimme (Ona beschwert sich just in diesem Moment darüber, dass er heute ja 8 Kilometer schwimmen musste, bei jeder Iteration wird es ein Kilometer mehr), meine Schwestern werden Bücher lesen, ich werde viele weitere Male darüber referieren, wie unfassbar sich Sonnenschutz weiterentwickelt hat – nach 3 Tagen *im* Äquator, davon nicht wenig Zeit im Wasser, heute sogar ohne Rashguard, es war bewölkt und ich hatte keine Lust, bin ich exakt gleich weiß wie neulich in Düsseldorf, das ist ja gewünscht, aber auch erstaunlich – und abends gibt es dann hoffentlich Insta Reels von jemandem, der ja schon keine vernünftigen Fotos machen kann. Ich sehe großes Kino auf uns zukommen, wenn ich unter Wasser versuche, irgendwas zu zoomen. Aber gut, man fängt ja immer klein an.

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