13.04.2022

So, die Haare sind ab. Ich habe die Frisörin, die 2020 mein tiefes Vertrauen schwer missbraucht hatte und mir einmal Maybrit Illner verpasst hatte, ohne weitere Anweisungen einfach was machen lassen, ich liebe nämlich das Risiko. Meine Bedingungen waren: Die Haare müssen noch in den Zopf können (nicht erreicht) und die Haare müssen in zwei Wochen hochgesteckt werden können (eventuell erreicht, aber das ist unterm Strich ja nicht mein Problem, sondern das der Person, die sie hochstecken möchte, und wenn das nicht geht, weil die Haare zu kurz sind, dann geht das halt nicht).

Wie nach jedem Frisörbesuch kommt jetzt der Teil, in dem ich zum xten Male wiederhole, wie sehr mich ALLES an Frisör nervt, das Anfassen, das Fremdwaschen der Haare, neulich las ich irgendwo, dass das Haarewaschen durch eine geliebte Person das Erotischste sei, was man machen könnte, und ich möchte das beantworten mit: Ich finde es schade, dass man in seinem Leben an einem Punkt wirklich das denkt, ich habe da einen anderen Erfahrungshorizont, und am Allerschlimmsten ist natürlich der Smalltalk. Maki, meine Frisörin, ist inzwischen sehr gut auf mich eingestellt, sie freut sich sehr, wenn ich komme, und sie nimmt mir nicht übel, wenn ich sehr zugewandt alle Fragen beantworte und alle Anweisungen direkt umsetze, ansonsten aber sehr davon profitiere, dass in dem Salon die Umhänge Ärmel habe, so kann ich nämlich Zeitung lesen, während man an mir Dinge macht.

Der Salonchef, schwieriger Typ, fönte bei meinem Eintreffen einer älteren Dame die frisch blondierten Haare und war die ganze Zeit für meine Begriffe zu übergriffig persönlich („Wenn dein Sohn einfach zu empathisch ist, wird er im Leben immer PIIIIIIEP“), dann wurde zum Abschied Bussi Bussi gemacht und ich merkte mir kurz für die Zukunft, dass ich nie so in der Kundinnenhierarchie nach oben rutschen darf, dass der Chef mich selber schneidet. Dann schnitt er eine weitere ältere Dame links von mir („du weißt doch, Schatz, was ich über deinen Neuen denke. Zeig noch mal das Foto. Wenn er gut für dich ist, ist er gut für mich.“) Kurzes Kopfkino, dann wieder Spiegel gelesen, tagesaktuelle Politik konnte selbst heute nicht schlimmer sein, als so ein Frisörgespräch. Einmal musste ich mich kurz einschalten. Heute morgen gab es die Erinnerungsmail für den Termin, mit dem Hinweis, dass man die Gäste ja umsorgt und in Sicherheit wissen möchte, daher gälte Maskenpflicht, vorzugsweise FFP2. Bei Eintreffen trugen alle OP Masken, vorzugsweise unterm Kinn. Außer Maki, ich mag Maki. Ich bin ja inzwischen sehr entspannt, ich werde immer dann etwas unentspannt, wenn ich keine Maske tragen kann, aber das war ja nicht der Fall. Als der Salonchef allerdings dann zu einem sehr langen Rant über die Bildzeitung, Maskenverweigerer, Freedom-Bullshit und „Ich trage die Maske bis zum bitteren Ende“, konnte ich mir eine kurze Intervention nicht verkneifen. Ein Wort. Pimmelnase.

6 Gedanken zu „13.04.2022“

  1. Beim Friseur geht es mir ähnlich wie Ihnen, deshalb meide ich Friseure wie der Teufel das Weihwasser. Der einzige Friseurladen, den ich tolerieren konnte, war einer, der von kettenrauchenden kroatischen Walküren betrieben wurde. Man stank zwar hinterher wie ein Aschenbecher, aber ich habe niemals eine dumme oder übergriffige Bemerkung gehört, und Haare schneiden konnten sie auch. Einmal habe ich mitbekommen, wie einer Chemotherapie-Patientin liebevoll die letzten Härchen abrasiert wurden und dann diverse Schals und Kopftücher auf unterschiedliche Art drapiert wurden, bis man den perfekten Turban kreiert hatte. Leider ist die Eigentümerin jetzt in Rente und ein Nachfolgerin gibt es nicht.

  2. „Möchten Sie eine Kopfhautmassage?“
    „NEIN! Ich möchte so schnell wie möglich wieder weg.“

  3. Meine Friseurin schneidet auch (saubere) trockene Haare. Auch deshalb ( und weil man keinen Termin braucht, sondern an dem Tag, an dem die Haare echt gar nicht mehr gegen, einfach vorbei kommen kann, ggf mit kurzer Wartezeit ) bin ich schon lange treue Kundin 😉. Zusätzliches plus in Corona Zeiten: alle Damen geimpft, alle mindestens mit op Maske. Pimmelnasen gibts da nicht (vielleicht auch, weil da keine Männer arbeiten?).

  4. Ich habe offenbar großes Glück: meine Frisörin schneidet richtig gut, redet kaum, alle in ihrem Laden sind geimpft und tragen FFP-Masken, überall sind Luftfilter in Betrieb.

  5. Ich gehe einfach nicht zum Friseur. Das ist der Vorteil langer Haare. Wenn sie mich nerven, steck‘ ich sie hoch. Feddich.

    Ich wasche sie auch nur – weder föhne noch färbe noch forme ich.

    Und mir ist vollkommen wurscht, ob und welche andere Frisur „mehr aus mir machen“ könnte.

    Allerdings habe ich da auch ein Kindheitstrauma – meine Mutter war in ihrem Arbeitsleben Friseurin.

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