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Also: Ich bin heute zu müde, um das zu besprechen, ich meine aber, mich zu erinnern, dass ich das mal mit Herrn Rau sehr ausführlich besprochen habe, vielleicht ist er bereit, kurz einzuspringen.

Und dann gibt es noch Anlass, über Thomas Anders zu sprechen. Dank der Kombi Blog und Podcast bin ich ja schon lange zur gläsernen Person geworden, aber ein kleines Element meiner dunklen Vergangenheit habe ich Ihnen bislang vorenthalten. Und das hat mit Liebe zu tun. Da ich in einer sehr eintönig dunkelhaarig-braunäugig ausgestatteten Familie großgeworden bin, habe ich in sehr jungen Jahren bereits beschlossen, dass mein späterer Mann blond und blauäugig sein muss. Spoiler: Nicht ein einziger Mann an meiner Seite war je blond und blauäugig. Geheiratet habe ich schwarz und grünäugig, auf dem Weg dorthin gab es verschiedene Varianten von nicht-blond und nicht-blauäugig. Der erste Mann, den ich geküsste habe, war – ja – Thomas Anders. Ich war sechs, über meinem Bett hing ein Poster von Modern Talking, und jeden Abend vor dem Schlafengehen hielt ich dem Blonden/Blauäugigen Bohlen die Augen zu und küsste Thomas Anders auf den Mund. Zwischenzeitlich hatte ich die Nora Kette abgeklebt. Ich war schon sehr früh sehr irre. Andererseits denke ich, dass auch hier ein Fall einer sehr günstigen Entwicklung trotz ungünstiger Prognose vorliegt. Ich käme heute nicht mehr auf die Idee, Thomas Anders zu küssen, und da gibt es tatsächlich auch andere Geschichten.

Ich fahre ja regelmäßig mit dem Hund an die Mosel, und dort habe ich vor zwei Jahren eine wirklich großartige alte Mühle gefunden, in der man sich in das 11. Jahrhundert zurückversetzen lassen kann und leckeres Essen bekommt. Und das ist – halten Sie sich fest – so plauderte der Juniorchef, der immer von Tisch zu Tisch flaniert, mal aus, ein präferiertes Lokal von Thomas Anders, wo sich auch immer der Fanclub trifft und generell einfach Fans speisen, immer in der Hoffnung, den Meister einst live dort beim Essen anzutreffen. Überleitung in ein wirklich sehr durchschnittliches Restaurant im rheinländischen aber düsseldorffernen Kontext.

Aufgewachsen bin ich ja linksrheinisch, und dort gab es ein sehr ländliches und rustikales Restaurant, wo man zum Beispiel hervorragende Pfannekuchen essen kann. Das hat mich in der Schulzeit schon begleitet, und vor nicht allzu langer Zeit waren wir unterwegs, haben Zeit vertrödelt, dann hatten plötzlich alle Hunger, dann schlug ich vor, wir könnten dort abendessen, und dann taten wir das. Es hat sich nichts geändert, auch nicht die Speisekarte. Ich bin 44. Es gibt sie noch, die guten Dinge.

Jedenfalls nahmen wir Platz, ich auf der einen Seite, Mann und Kind auf der anderen Seite des Tisches, hinter denen stand ein weiterer besetzter Tisch mit gut aber rustikal gekleideten Menschen, derer drei. Zwei Frauen, ein Mann. Speisekarten kamen, Mann und Kind lasen, ich guckte rum (esse seit 34 Jahren das gleiche Gericht), dann kam der vierte, fehlende Mensch vom Nachbartisch vom Klo, und Sie haben es kommen sehen: Es war Thomas Anders. Küssen wollte ich ihn nicht, es gab nicht den geringsten Impetus, ich wollte auch nichts anderes, aber mir war SEHR daran gelegen, dass der Mann weiß, dass er gerade den Stuhl für Thomas Anders ranrücken musste, weil der vom Klo wiederkam. Einfach sagen hielt ich für keine Option, ich denke von mir als eine Person, die nicht laut „Thomas Anders“ schreit, wenn der vom Klo kommt. Also nahm ich mein Handy, erntete einen neidischen und einen bösen Blick, schrieb meinem Mann eine SMS mit dem Text „hinter dir sitzt Thomas Anders“, der musste dann auch direkt aufs Klo, wir beschlossen, dass die Kamera nicht zwingend 10 pounds adds, manchmal sind die wohl einfach da, und dann aßen wir entspannt weiter. Am Ende ließ Ona sich draußen vor dem dicken Auto fotografieren, und weil wir mitten auf dem Land standen ohne Zeugen, habe ich das gemacht. Das Foto zeige ich Ihnen aber nicht.
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