Herzregen im Urlaub – Teil 2

Wir sitzen nebeneinander in meinem Bett, Frau N hat ein eigenes Bett in einem eigenen Zimmer, aber wir sind ja nicht 10 Stunden angereist, ich sogar noch mehr, um dann getrennt in einzelnen Zimmern Zeit zu verbringen. Meine größte Sorge ist nur, dass wir so vollgefressen sind nach den diversen Mahlzeiten heute, keine davon leicht, dass wir jetzt für immer nebeneinander in diesem Bett sitzen werden, weil wir keine Möglichkeit mehr sehen, die Position zu ändern. Sexualkontakt wurde heute bereits um 10 Uhr von Frau N final abgewendet, da aß sie nämlich Senf, danach geht ja nix mehr, aber das ist auch eh Quatsch, die tiefe Basis unserer Beziehung ist das Nebeneinandersitzen und die Diskussion. Beides gestaltet sich in der Regel so unterhaltsam, dass auch ohne Senf, ach, wissen Sie, das kriege ich hier nicht zuende erzählt, ich denke, ich habe mich verrannt.

Die Reise gestaltete sich bis auf die allerletzten 1,2 Kilometer, über die ich nicht mehr sprechen möchte, ganz hervorragend unkompliziert, zweimal hatten wir uns in einem Diskussionsstrang so festgeredet, dass wir das Reisen kurz vergessen hatten und in der ersten Situation erst merkten, dass wir den Zielbahnhof erreicht hatten, als wir schon dort standen, dann war alles kurz sehr aufregend, wir hechteten mit letzter Kraft aus dem Zug, ich hechtete dann wieder rein, weil ich neben Koffer und Tasche noch einen Beutel hatte, den ich vergessen hatte, aber ich musste zum Glück nicht dahin alleine weiterfahren, wohin so ein Zug in Schwandorf halt fährt, Frau N blockierte solange die Tür. Dort erlebten wir dann einen sehr ungemütlichen Bahnhof, eine sehr merkwürdige Cafeverkäuferin, die nur Sachen abkassieren konnte, die neben der Kasse standen, wir hatten Dinge für drei Tabletts (die klein waren) bestellt, ich sagte: „Ich bringe die Croissants schon mal auf den Tisch“, den man übrigens von der Kasse aus hervorragend sehen konnte, dann machte die Dame Kaffee, lief zu unserem gewählten Tisch, holte die Croissants wieder zurück, stellte sie neben die Kasse, kassierte sie ab und wirkte organisiert und zufrieden. Die nächsten 40 Minuten diskutierten Frau N und ich diese Situation und wie wenig Menschen von meinem einzigen persönlichen Motor, dem Streben nach Effizienz, getrieben sein können. Wirklich jede einzelne Alternative wäre ja effizienter und energiesparender gewesen, als um die Theke rum zu laufen, zum Tisch zu gehen, die Croissants zu holen, sie neben die Kasse zu stellen und wieder um die Theke rumzulaufen. Jede einzelne. Ich hätte wahrscheinlich, gesetzt den Fall, dass ich mir das nicht merken kann, einfach kurz den Kopf um 10 Grad gedreht und auf den Tisch geguckt, mich dann erinnert, dass da zwei Croissants stehen, und dann wäre alles gut gewesen. Wenn das nicht möglich gewesen wäre, zum Beispiel, weil ich nur einen Meter weit gucken kann, dann hätte ich die Menschen gefragt, was da noch fehlen würde. Oder ich hätte mir im Internet Zettel und Stift bestellt, um Sachen, von denen ich vermute, dass ich sie vergessen könnte, zu notieren. Die einzige Lösung, die ich für mich nicht gesehen hätte, wäre der Weg um die Theke rum hin zum Tisch zurück zur Kasse und wieder um die Theke rum. Wie wir das so diskutierten, verpassten wir fast den Anschlusszug, auf den wir 50 Minuten gewartet hatten und mussten noch schrecklich rennen.

Wie unterschiedlich ich verschiedene Kategorien bewerte, sieht man übrigens daran, dass ich es vollkommen undenkbar finde, Sie wissen schon, steht ja oben, es mir aber vollkommen sinnvoll und vernünftig vorkommt, darüber dann abends mehr als länglich ins Internet zu schreiben, obwohl ich – und das ist eine Premiere – gerade immer wieder für eine Sekunde wegnicke, während meine Finger noch schreiben. Das ist Gefühl ist sehr lustig. Ich sollte öfter um 4 aufstehen.

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