Herzbruch auf Curaçao – Teil 1

Ich kann ja nicht immer ganz von vorne anfangen, wenn ich alle 13 Monate blogge, also fasse ich sehr kompakt zusammen: Ich bin krank, ich war noch viel viel kränker, Muttertag 2025 beschlossen eine Schwester und ich, dass wir verreisen, sollte es mir irgendwann besser gehen, ich sagte, ich will nach Curaçao, was irgendwie aus den Untiefen meines Rückenmarks kam, ich wollte nämlich noch nie nach Curaçao, ich wollte aber ja auch nie einen Mini kaufen, es ist, was es ist, sie stimmte unüberlegt zu, ich buchte ein stornierbares Haus für Mai 2026, im August erfolgte eine wichtige, lebenserhaltene Operation, nach der es so aussah, als würde ich im Mai noch leben, also buchten wir Flüge, und dann war Mai 2026 und wir flogen los.

Wir – das sind meine beiden Schwestern, Ona, Alena, die Tochter meiner ältesten Schwester (29, aber in der Konstellation in der Kohorte „Kind“ geführt), und ich. Geflogen sind wir von Düsseldorf nach Amsterdam, was wirklich absurd war, 25 Minuten, in der Gänze des Prozesses aber länger, als ich mit dem Rad für die Strecke gebraucht hätte, und dann AMS nach Curaçao. Der Flug war entspannt, obwohl ich Langstrecke hasse, aber wir saßen in dem Teil für alte Leute, wo man die Beine maximal ausstrecken konnte und außer uns gar keine Menschen sichtbar waren, das war schön. Es gab WLAN, Turbulenzen, die nicht weiter nennenswert waren, niemand war gelangweilt, ich konnte sogar schlafen und wurde irgendwann sehr erfreut wach, dass ich den Flug so gut verschlafen hatte, um dann festzustellen, dass es jetzt genau 10 Minuten später ist, ich aber mit Aufwachlaune, aber im Großen und Ganzen haben wir das alles gut überstanden. Fliegen mit medizinischen Hilfsmitteln – ich habe alle benötigten Medikamente und Katheter, Beutel, Verbände, 20 Meter Duschpflaster, etc., ich habe nämlich einen suprapubischen Katheter, faktisch also einfach ein Loch im Bauch, konnte meine Urologin aber schon sehr früh davon überzeugen, dass sie erlaubt, dass ich damit ins Meer gehe, sonst ginge ich nämlich einfach ohne, dass sie es erlaubt, und das wäre dann ja ohne Plan, also schlechter, naja, jedenfalls wollte ich all die benötigten Dinge nicht im Koffer einchecken, weil ich ja oft genug ohne Koffer gelandet bin, und dann hätte ich in Sekunde 1 bereits ein Problem gehabt. Ich hatte also ein Attest, eine riesige Tasche mit Dingen, vor allem auch Flüssigkeiten, und kam erstaunlicherweise am Flughafen damit besser klar als in den letzten 20 Jahren. Niemand fragte irgendwas, niemand wollte irgendwas sehen, es war sehr einfach.

In Amsterdam hatten wir 4 Stunden Overlay, die ich dafür nutzen wollte, um den Katheterbeutel anzuhängen. Das erzähle ich nicht, damit Sie das Gesicht angespannt verziehen ob des Oversharings, sondern, weil eine lustige Situation entstand. Wir werden jetzt grafisch. Wenn Sie das nicht abkönnen, empfehle ich Ihnen den nächsten Abschnitt. Wenn ich mich gleich noch daran erinnere, wird der eventuell lustig. Ich schon das Anstöpseln sehr lange vor mir her, Sterilität von Umgebungen und Prozessen spielen in meinem Leben eine übergeordnete Rolle, und ich hatte Berührungsängste mit der Flughafentoilette. Wir saßen in einem großen Cafe, und Ona war so in eine Ecke der Bank gekuschelt, dass ich mehrfach im Kopf durchspielte, was ich alles machen müsste und bräuchte, und dann zu dem Ergebnis kam, dass ich einfach dort sitzen könnte, und wenn jemand neben mir säße, könnte ich alles machen, was ich machen muss, ohne dass jemand das sieht. Ich erklärte den Mitreisenden meinen Plan und tauschte mit Ona die Plätze. Ich holte Sterillium, Kodan und einen neuen Beutel raus, stellte alles vor mir auf den Tisch, desinfizierte meine Hände, packte den Beutel aus und sondierte einmal die Umgebung. Am Nebentisch, 2 Meter weiter, saß ein alter Mann, der die ganze Zeit vorher in die Gegenrichtung geguckt hatte, und schaute interessiert zu. Da der nächste Schritt war, dass ich unterm Tisch meine Hose aufmachen würde, dachte ich, ich könnte einfach zurückgucken, dann guckt er weg. Ich sah ihn an, er nickte, lächelte, drehte den Kopf weg, drehte den Kopf sofort wieder zurück und guckte mich an. Ich hörte auf, legte alles wieder hin, und sah ihn wieder freundlich, aber bestimmt an. Er nickte, lächelte, drehte den Kopf weg, drehte den Kopf sofort wieder zurück und guckte mich an. Ich wählte die nächste Eskalationsstufe und sagte auf Englisch: „Es wäre mir deutlich angenehmer, wenn Sie woanders hingucken würden“, und er sagte auf Niederländisch, dass er mich nicht versteht. Also sagte ich auf Niederländisch: „Es wäre mir deutlich angenehmer, wenn Sie woanders hingucken würden“, und er lächelte wieder sehr freundlich und antwortete: „Ja, hab ich, aber da gibt es nichts zu sehen, Sie sind viel interessanter.“ Und dann wusste ich auch nicht. Ich öffnete meine Hose, machte alles, was ich machen musste, er guckte zu, bedankte sich beim Aufstehen und ging. Vielleicht auf die Toilette. Gibt ja alle möglichen Kinks, ich freu mich für ihn.

Dann Flug, dann Landung, dann warm, und dann eine weitere Beobachtung: Lustige Männer auf Curaçao. Ich ging am winzigen Flughafen zum Hertz-Schalter, regelte den Mietwagen, und wir schleppten alles zum Parkplatz. Der eigentliche Plan war, dass ich zweimal fahre, einmal mit meinen Schwestern und den großen Koffern, und dann mit dem Gemüse und den kleinen Koffern. Am Parkplatz zeigte ich dem Hertz-Guy meine Quittung, und er sagte auf Englisch irgendwas, was klang wie „electric bike“. Ich war mir sicher, dass ich ihn nicht gut verstanden hatte, Englisch war offensichtlich auch nicht, was er immer spricht, und bat ihn, zu wiederholen. Ich wurde daraus nicht schlauer. Dann fragte ich auf Niederländisch, er antwortete auf Niederländisch: „Ah ja, Sie haben ein großes E-Bike gemietet.“ Dann grinste er, ich gratulierte ihm dafür, dass der Witz so gut war, wir lachten ein bisschen, und dann kriegte ich die Info, dass wir quasi einen Linienbus kriegen würden. Einen Santa Fe, so ein Schiff, in dem wir zu fünft mit dem kompletten Gepäck Platz fanden, was sehr praktisch war. Auf dem Weg zum Auto hielt er an einem Fiat 500, ich gratulierte ihm zum nächsten guten Gag, meine Nichte gab ihm 5 Dollar, wir beluden den Reisebus und fuhren zum Haus.

Das steht in einer Gated Community, ich fuhr an die Schranke und wusste, was zu tun ist. Der Mann im Häuschen sah mich an und sagte: „Ich kenne dich, mit dir war ich letzte Woche was trinken.“ Ich gratulierte ihm zum guten Gag, zeigte meinen Reisepass, wir fuhren zum Haus, dort zeigte die wilde Hilde uns alles, und dann kam der nächste, drängende Tagesordnungspunkt, ich musste mit dem Gemüse noch zum Supermarkt fahren. Hilde hatte uns einen empfohlen, ich hätte gedacht, er sei nah, er war fern, wir mussten sehr aufregend Auto fahren, weil leider unsere ESims nicht funktionieren, da mein Kind aber die Orientierungsgabe eines Aborigines hat – das ist offenbar nicht mein Genom – kamen wir an, und wir mussten auch nur zweimal über Trampelpfade abseits der Straße fahren, kamen wir nach einer halben Stunde an. Der Supermarkt war mittelgroß, stellte uns aber vor ein Problem, eher eine Frage: Was sollen wir trinken? Und was essen? Der billigste Prosecco oder Sekt kostet 11 Euro. 250g Butter kosten 10 Euro, ein kleiner Tack Weintrauben 13 Euro, dafür aber mit ganz viel Gratisschimmel. Wir werden das Thema weiter bearbeiten müssen, heute fahren wir zu Albert Heijn. Vorher mache ich eventuell noch ein kleines Mittagsschläfchen, es sind alle so entspannt, dass das nicht weiter ins Gewicht fallen wird!

2 Gedanken zu „Herzbruch auf Curaçao – Teil 1“

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