26.10.2026

Hallelujah, ich bin zuhause. Der neue Plan ist jetzt: Ich verlasse nicht mehr alleine das Haus, bis ich wieder verlässlich länger als 2 Stunden schlafen kann. Schlafen scheint für meinen Körper keine Rolle mehr zu spielen, und das kenne ich in der Form nicht, das ist neu. Ich verfüge leider nicht über die beneidenswerte Gabe von Frau N., innerhalb von 30 Sekunden nach Beschlussfassung einzuschlafen, ich gehörte aber auch nie zu denjenigen, die „schlecht schlafen“. Das ist vielleicht auch jetzt nicht die passende Beschreibung. Ich schlafe nicht schlecht, ich schlafe nicht. Zu den jeweils 2 Stunden Freitag und Samstag kamen gestern nun weitere 3, das überraschte mich. Auf der Rückfahrt, die ich bis kurz vor Ankunft nicht über Gebühr ermüdend fand, was daran lag, dass – wie Frau N. sagt – die Reisegruppe Rhein-Main, also Vanessa Giese und Frau N und ich die Aufgaben gut verteilt hatte. Ich fuhr, Vanessa hielt mich mit guter Unterhaltung fokussiert und amüsiert, Frau N reichte Getränke, Essen und Feuchttücher. Die Anstrengungen des Wochenendes konnte ich an ihr übrigens daran sehen, dass sie ja sehr regelmäßig in Urlauben auf sehr langen Strecken beifährt, und eigentlich macht sie das sehr gut, sie antizipiert meine Wünsche lange bevor ich sie selber bemerke. Gestern musste ich sie sehr eng führen, manche Wünsche mussten mehrfach genannt werden, insgesamt aber war ihre Leistung zufriedenstellend.

Heute morgen um 7 besprachen wir also, warum ich nicht mehr müde werde. Eventuell sei ich manisch, schlug sie vor, das sehe schwer so aus. Ich gebe zu, dass ich die Vermutung bereits hatte, ich kenne das Konzept aus der Anschauung nur in Kombination mit -depressiv, und das ist nicht mein Ansatz, war er nie. Ich werde nicht depressiv, ich werde wütend, das kann ich viel besser kanalisieren. Die Alternative zur Manie ist vielleicht aber auch, dass ich einfach ein System, das ich in den letzten Monaten erlernt habe, sehr konsequent und mit mehr körperlichen Körnern einfach weiterlebe. Und hier kommt jetzt der Moment, an dem mir auffällt, dass ich ja nicht mehr über Kranksein schreiben wollte, andererseits habe ich 22 Monate nichts erlebt, was nicht vor dem Hintergrund extremer Krankheit passiert ist, also muss ich da noch mal drüber nachdenken, sonst kann ich ja wirklich einfach gar nichts mehr erzählen. Ein Dilemma. Ich formuliere es also als Übergangslösung einfach so: Neulich entwickelte ich anlassunabhängig den Satz „Schlecht geht es mir zuhause auch“, quasi als Legitimation für Ausgehen mit Fieber über 39 Grad oder Zustand auf der Schmerzskala von 6 oder höher. Ich kann vielleicht nicht auf Kommando einschlafen, habe aber festgestellt, dass ich mich auf Kommando amüsieren kann, und wenn man die Wahl hat, mit 40 Fieber im Bett zu liegen oder mit 40 Fieber und einem Gin Tonic auf einer Party zu stehen, ist die Wahl ja klar, wenn man weiß, dass man nicht gesünder wird, wenn man im Bett liegt. Wie kam ich hier jetzt hin? Ach so, richtig. Zwischen Februar und Mai konnte ich so gut wie gar nicht aufstehen, im Mai setzte ich mich mit Flossen in ein Flugzeug und schwamm dann täglich 4 Stunden sehr weite Strecken, Sie erinnern sich. Laufen konnte ich in der Zeit übrigens trotzdem nicht wirklich. Das war im Nachhinein der Startschuss. Seitdem habe ich, wann immer ich mich auf den Beinen halten konnte, einfach alles gemacht, worauf ich Lust hatte, über jede körperliche Grenze hinweg. Immerhin waren das 5 Monate, da gewöhnt man sich das gut an. Nun ist es allerdings so, dass ich sehr stabil bei meiner naturgegebenen Körpertemperatur von unter 36 Grad bleibe, wie so ein Reptil, und auch Schmerzen habe ich keine, die ich erwähnenswert fände. Ich finde es folgerichtig, dass ich mit dem neu erlernten Spaßkonzept trotz Einschränkung nun deutlich weiter komme. Ich sollte mich im nächsten Schritt also wieder so verdrahten, dass ich Spaß und Ruhe abwechsele, und mich nicht mehr darauf verlasse, dass ich sonst ja einfach ohnmächtig werde. Völlig anlassunabhängig hatte ich mir letztes Jahr ab September die Technik erworben, dass ich zwischendurch ständig einfach umfiel. Das war für meine Umgebung oft mit Schreck verbunden, ich empfand es als saubere Lösung. In der Regel war der Anlass Schmerz, und nachdem ich verstanden hatte, dass Körper selber entscheiden können, wann etwas nicht mehr auszuhalten ist und den Kopf dann einfach kurz aus dem Rennen nehmen können, war ich damit zufrieden und habe das zwar nicht bewusst steuern können, es trug aber mehrfach dazu bei, dass ich vor Dingen deutlich weniger Angst hatte, weil ich wusste, dass ich sowieso nach 10 Sekunden weg bin. Für nichts auf der Welt hätte ich darauf verzichten wollen. Zudem konnte ich irgendwann gut einschätzen, wenn ich über einer bestimmten Schwelle war, und dann kündigte ich einfach an, dass ich vermutlich in 10 Sekunden weg bin, und dann waren alle gut vorbereitet. Frau N. nennt das übrigens das Amphibiengehirn. Für jemanden, der ausschließlich über den Kopf funktioniert, eine erschreckende Einsicht, dass es irgendwo eine Verbindung zwischen Körper und Geist gibt, auf den man gar keinen Einfluss mehr hat.

Da wir aber nicht über Kranksein sprechen, teile ich einfach mit: Ich bin seit einigen Wochen nicht mehr ohnmächtig gewesen, und wenn ich das jetzt aufschreibe, klingt es völlig absurd. Ich werte das als gutes Zeichen. Ein anderer Teil meines Amphibiengehirns scheint übrigens in jedem Zustand Beiträge ins Internet schreiben zu können, das wollte ich auch nach all der Zeit mal ergänzen. Ich habe irgendwann, ich glaube, es war um Weihnachten, mal geguckt, was ich überhaupt in den ersten Wochen nach dem 13. Januar 2025 auf Mastodon geschrieben habe. Ich wusste nämlich, dass ich geschrieben hatte, und war interessiert, wie das wohl aussah, konkrete Erinnerung hatte ich keine. Ich scrollte also zurück und fand die Posts – und war erstaunt. Sie klangen normal, sortiert und gar nicht irre. Das ist insofern interessant, dass man zwischen Januar und März nicht wirklich mit mir sprechen konnte. Die Sprechzeit, die ich pro Tag meistern konnte, brauchte ich für die Visite, also war üblicherweise mein Sprechdeputat für den Tag morgens um 7.15h bereits aufgebraucht. Den Rest des Tages habe ich maximal gestikuliert und mit dem rechten Daumen Buchstaben ins Internet geschrieben, wie zwei komplett getrennte Systeme. Im Februar 2026 hatte ich sogar nach der großen OP einen kompletten Filmriss für 4 Tage. Ich erinnere mich an nichts. Ich bin in den OP gefahren worden, da war es Freitag 7 Uhr, und dann wurde ich wach, da war es Montag 20 Uhr. Zwischenzeitlich war Frau N da, ich sei wach gewesen und hätte gesprochen. Ich würde ihr eine Lüge ja jederzeit unterstellen, aber ich habe auch getrötet, also werde ich wohl irgendwie da gewesen sein. Das Amphibiengehirn hat das weggeschaltet. Es wird wissen, warum, das war die OP, aus der ich rausgekommen bin ohne Fingernägel, die hatte ich mir in Narkose alle abgebrochen. Man hat mir nie erzählt, wen ich trotz tiefer Narkose angegriffen habe, ich hoffe, ich habe gewonnen. Schön aber, zu sehen, dass das Amphibiengehirn gut auf mich aufpasst.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich mich selbst an mein eigenes System scheinbar nicht halten möchte. Ich wollte zudem eigentlich schlafen, hatte dann im Bett liegend aber den Eindruck, dass ich besser erstmal blogge, hinterher schlafe ich ein und muss direkt in die Cocktailkasse einzahlen. Ob Manie oder falsche Verdrahtung, ich könnte jetzt 30 Blogeinträge schreiben. Später muss ich mal besprechen, wie genau die Bedingungen definiert sind. Muss ich einen Beitrag in einem Zeitfenster von 24 Stunden schreiben, oder muss ich 365 Beiträge in einem Zeitfenster von 365 Tagen schreiben? Ich hoffe letzteres. Dann bin ich am Wochenende durch.

Schreibe einen Kommentar

Consent Management Platform von Real Cookie Banner