24.11.22

Ich habe ja noch nie absichtlich mit einem Fuß gegen einen Ball getreten, aber wenn ich das immer so sehe mit diesem Fußball, ist doch die eigentliche Herausforderung, über 90 Minuten das Feld hoch und runter zu laufen, oder? Ich erinnere mich an irgendeine Situation in irgendeinem Spiel von irgendeinem Spieler, ja genau, so sattelfest bin ich in Fußballdetails, ich glaube, es war Boateng, der hat ja einen Bruder, der auch Nationalmannschaft spielt, aber dann nicht in Deutschland, oder war das ein anderer, ich weiß es nicht mehr, jedenfalls hat der etwas gemacht, was ich für sportlich sehr herausfordernd hielt. Was genau das war, weiß ich auch nicht mehr, aber eventuell hat er ein Tor geworfen, nein, geschossen, oder er hat eins verhindert, das könnten Profifans jetzt wahrscheinlich schon aus seiner Spielposition ableiten, ich allerdings natürlich nicht, ich weiß nur, dass er nicht Libero spielt, denn Libero, so hörte ich mal auf irgendeiner Party oder Abendveranstaltung, ist eine Position, die es heute ja gar nicht mehr gibt im Profifußball, schade. sagt man. Lothar Matthäus war vielleicht Libero, ich habe mir so etwas gemerkt, und der ist natürlich aus einer Zeit, als ich zumindest noch Menschen in meiner Umgebung hatte, die sich für Fußball interessieren. Daher ist Lothar Matthäus mir präsent, wenn auch nicht sportlich, viel mehr mit dem Satz „der Gürtel muss immer bei die Schuhe passen“, das ist alles, was ich über Lothar Matthäus weiß.

Dann weiß ich noch was über Mario Basler, ich lief nämlich irgendwann in sehr jungen Jahren auf eine Demo in Düsseldorf gegen Studiengebühren mit, und vor mir lief jemand mit einem großen Pappschild „Bildung auch für Mario Basler“, ich habe daraus mitgenommen, dass Mario Basler nicht so gebildet ist. Und dann weiß ich noch was über Stefan Effenberg, nein, halt, sogar zwei Dinge. Erstens weiß ich, dass er eine Autobiographie geschrieben hat, oder schreiben lassen hat, und die habe ich einst Herrn N zum Geburtstag geschenkt, weil darauf ein roter Aufkleber klebte: 2 Euro. Das fand ich lustig. Und dann hat er noch eine Frau, die vorher die Spielerfrau eines anderen Spielers war, und die auf ihrem Arm oder wo auch immer ein Tattoo mit dem Satz „True Love Never Die“ stehen hat. Tja. Als Frau eines Weltraumingenieurs wäre das nicht passiert. Und die machte mal bei Promi Shopping Queen mit, und da sagte der wirklich sehr angstfreie Guido Maria Kretschmer, als sie in einem Kleid aus der Kabine kam: „Kannse anziehen, watte wills, dumm guckt oben raus.“

Nicht dumm ist ja Oliver Bierhoff, so hieß es damals, ich erinnere mich an eine Zeitungsüberschrift „Der Kapitän mit dem Einser Abitur“, das beeindruckte mich, nicht, weil ich so beeindruckt war, dass man so klug und fleißig ist, ein Einser Abitur zu machen, sondern dass jemand die Motivation dazu aufbringen kann. Aber so ist das wahrscheinlich mit Leistungssportlern. Die können sich quälen.

Und das ist absolut alles, was ich über Fußball weiß. Entsprechend egal ist mir das gerade alles, ich bin ein wenig traurig, ich bin ja so gerne Fan, und in den Jahren, in denen Deutschland in großen Turnieren Angstgegner war, habe ich mich selber gut in das Thema eindenken können, man traf mich sogar mal mit einer Wuwusela und einer Flasche Bier aus dem Fenster im dritten Stock hängend an. Ja, ich war auch überrascht. Aber gut. Dieses Jahr also nicht. Dann halt nicht.

7 Gedanken zu „24.11.22“

  1. Ich möchte gerne ein weiteres Detail hinzufügen: Die Frau E., die kommt ja von hier, hier aus dem Örtchen. Man ist nicht stolz drauf und das ist vielleicht die eigentliche Geschichte

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  2. Oh, da bin ich offensichtlich auf dem etwa gleichen Fußballwissenniveau… Bin ganz zufrieden damit, dass es meinem Mann ähnlich geht. Wenn das Gespräch auf irgendeine Fußball WM oder EM kommt, pflegt er zu sagen : „Ach, ich interessiere mich nicht so für Eishockey.“

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  3. Wirklich Ahnung habe ich auch nicht – jedenfalls nicht so, dass ich ein Spiel auf dem Bildschirm in Echtzeit „lesen“ und verstehen könnte (allenfalls in Ausnahmefällen).
    Klar finde ich aber: Es kommt darauf an, immer auf dem Laufenden zu sein:
    Wo ist der Ball?
    Wo ist welcher Mit- oder Gegenspieler?
    Was kann in den nächsten Sekunden passieren, und was ist dabei gerade in diesem Moment meine Aufgabe?
    Ich glaube, das ist auf dem riesigen Platz ziemlich anspruchsvoll.

    Und im Grunde ist es doch beim Handball dasselbe, oder?

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  4. Es ist mir schon einige Male aufgefallen, dass bei ansonsten „vernünftig“ wirkenden (vor allem, aber nicht nur, älteren) Herren der Schöpfung beim Thema Gendern dann plötzlich Schluss ist mit aller Aufgeschlossenheit. Das scheint irgendwie mehr ans Eingemachte zu gehen, als man sich das als Nicht-XY-Mensch so vorstellen kann.

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