21.07.2002

Heute waren alle Tiere beim Tierarzt, und das müssen Teile der Familie jetzt erst mal verarbeiten. Eigentlich sollten Herr und Kind H. alleine gehen, wir hatten gestern abend noch ausführlich beschlossen, dass heute nur der Hund dran ist, der Kater kriegt seinen eigenen Auftritt, aber dann war 10 Minuten vor Termin alles plötzlich anders, Herr und Kind H. wollten beide Tiere mitnehmen, ich fand die Idee, mit dem Kater in seiner Transportbox zum Tierarzt zu laufen, schlecht, der Tierarzt ist zwar sehr nah, eigentlich nur 2 Straßen entfernt, aber das schaukelt ja, und der Kater mag ja nichts außer im Körbchen oder im Bürostuhl liegen, und irgendwie erschien mir das nix, also mir wäre sehr schlecht, wenn ich so geschaukelt würde, und dann noch Impfung, nein.

Also liefen Kind und Hund H. zum Tierarzt, Herr und Frau und Katze H fuhren mit dem Auto vor, ganz ungeschaukelt. Mein Hund hört bereits 100 Meter vor dem Haus des Tierarztes auf zu laufen, immerhin gab es dort in der Vergangenheit ja mal Spritzen, das war sehr schlimm. So auch heute, also wurden die Tiere auf dem Bürgersteig getauscht, ich nahm den Hund, Herr H die Katze, und dann ging ich beherzt zur Haustür, der Hund ging mutig mit, entschied sich dann anders, rannte weg, ich hielt gegen, dann gingen wir eine halbe Treppe runter zur Praxis, der Hund ging mutig mit, drehte sich unten um und rannte Vollgas wieder hoch, dann fiel fast Herr H über die Leine, Kind H fiel wirklich über die Leine, dann ging ich ins Wartezimmer und setzte mich, der Hund saß neben mir und weinte wie eine Irre, der Kater saß in seiner Box auf dem Schoß von Herrn H und fand alles ganz wunderbar, eine Veranstaltung, bei der der Hund so schlimm weinen muss, kann nur super sein.

Dann waren wir dran, Herr H hievte den Hund auf den Behandlungstisch, wir konnten sie zu dritt kaum festhalten, zweimal machte sich vorsichtshalber Arschbombe vom Tisch runter, dann brüllte der Tierarzt den Hund an, dann brüllte der Tierarzt mich an (dazu – ja, das war unangemessen – muss man aber sagen, dass der Hund so tat, als müsse er jede Sekunde sterben, und zwar bereits, bevor der Tierarzt überhaupt nur im Raum war), dann wurde das Ohr untersucht, da mussten noch mal Tropfen rein, dann gab es die Impfung, das war das Schlimmste, was dem armen Hund in seinem Leben überhaupt passiert ist, dann wurde auch noch INS MAUL GEGUCKT, nein, das war noch viel schlimmer, wobei das Ergebnis lautete, dass das erst mal so bleiben kann, nun gut, das wäre bei Menschen anders, beim Kind zum Beispiel, und dann eine letzte unangekündigte Arschbombe und fertig. Dann tauschten wir an der Tür die Tiere, Oskars Tragekorb kann man oben aufmachen, also machten wir oben auf, der Tierarzt sagte Hallo, impfte den Kater, wo er schon mal da war, konnte man auch noch schnell das Flohzeugs in den Nacken machen, und dann war alles fertig, der Tierarzt sagte Tschüss, wir machten den Deckel wieder drauf und gingen nach Hause. Dort stieg Oskar aus seiner Tragedingens aus, aß ein Schlecki und legte sich dann im Garten auf den Liegestuhl und genoß die Kühle. Der Hund lief weinend ins Haus, aß weinend einen Apfel, legte sich weinend in sein Körbchen und liegt da jetzt. Weinend. Als sie 12 Monate alt war, haben wir sie röntgen lassen müssen für den Züchter, um zu gucken, ob die Hüften in Ordnung sind. Sie bekam eine Vollnarkose, wurde geröntgt, irgendwann konnte ich sie etwas desorientiert wieder abholen, und als sie 12 Stunden später immer noch schlimm weinte, machte ich mir Sorgen und brachte sie wieder zum Tierarzt, der ihr einen riesigen Anschiss verpasste, dann war gut.

Ich habe von allen Tierpensionen Absagen bekommen, das ist schade. Wenn der Hund auch nur ein bisschen mehr Biss hätte, nein, Witze mit Rastplätzen sind Null witzig, stimmt natürlich.

1 Gedanke zu „21.07.2002“

  1. meine rauhhaardackeline seinerzeit ging ausgesprochen gerne zum tierarzt: impfen, untersuchen, alles kein problem. dann, und es war meiner tochter geschuldet: sie sollte einmal junge kriegen, reinrassig mit stammbaum war sie, arbeitslinie, einziger makel: haar am kopf etwas zu weich. wir meldeten uns in einem dackelclub an, sie suchte sich ganz ohne unser aller zutun zur freude der zuchtwartin einen passenden rüden aus, alles prima.

    leider brauchte sie dann einen kaiserschnitt, und als sie zu hause aus der narkose erwachte hatte sie drei junge neben sich. sie war eine hervorragende mutter, alles wunderbar, aber tierarzt: nein danke. damals gab es in der pharmaindustrie immer so lustige werbegeschenke, unter anderem einen druckbleistift, der einer spritze täuschend ähnlich sah.

    wenn das ding in der wohnung irgendwo lag, konnte man sicher sein, dass der hund den raum nicht betrat. zeit ihres restlichen lebens, also über zehn jahre lang.

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