20.05.2022

Ich möchte mich heute mal bedanken. Das passiert manchmal, und wenn es passiert, passiert es aus vollem Herzen. Ich möchte mich heute bei der Deutschen Bahn bedanken, aufgrund derer Minderleistung ich jetzt noch ganze 60 Minuten auf dem Bett liegen darf und mich ausruhen kann. Danke, Deutsche Bahn, diese Zeit gehört mir.

Heute kommen ja unsere Freunde aus Leipzig zu Besuch, was toll ist, aber der heutige Tag war ein kleines bisschen anstrengend bisher. Es ist nämlich so: Sie hätten um 21.12 Uhr aus der S-Bahn steigen sollen, dann wären sie um 21.15 Uhr vor der Tür gewesen. Da die Reise von Leipzig in mein Wohnzimmer doch immerhin sechs Stunden dauert, werden sie dann Hunger haben. Allerdings wollte ich erstens nicht abends um 9 Uhr ganz furchtbar viel in der Küche zu tun haben, zweitens war auch natürlich überhaupt nicht klar, was in der Realität passiert, wenn man in der Theorie eine Reise mit der Bahn geplant hat, und drittens brauchten wir auch überzeugende Essensoptionen für morgen, da dann ja Japantag ist und der gesamte Ablauf des Tages ungeklärt. Viertens sind an drei Tagen statt einem gleich drei Teenager in diesem Haushalt, und wenn die auch nur annähernd so gepolt sind, wie meiner, dann ist Essen das dominante Thema in den nächsten Tagen. Zumindest darf es nie fehlen, sonst Krieg. Fünftens ist ein etwas komplizierterer Punkt, den ich jetzt aber ganz unkompliziert versucht habe, zu lösen, nachdem ich zuvor meinem Reflex Raum gegeben habe, Probleme mit Geld zu erschlagen. Viele Dinge kann man leichter gestalten, wenn man sich schweren Herzens entscheidet, einfach Geld auszugeben für etwas, was dann einfach ist und vorher schwierig war. Wo war ich? Ach ja, die Besuchsdame verzichtet auf Kohlenhydrate. Das kann ich gut verstehen, ich habe in den letzten zwei Jahren über mich selber gelernt, dass ausschließlich der Verzehr von Kohlenhydraten einen Einfluss auf mein Gewicht hat. Also machte ich einen Plan, in der festen Überzeugung, man könne ja auch mal was probieren. Also plante ich für den Freitagabend, Lasagne zu servieren mit der leckeren 4-Stunden-Gemüsebolo, und für die Low-Carb-Variante bestellte ich Lasagneplatten aus Erbsen. Dann überlegte ich, was man Samstag, wenn die Erwachsenen vom überfüllten Japantag kommen, machen könnte, ohne stundenlang in der Küche zu stehen und entschied mich für selbstgemachte Pizza, also bestellte ich Low-Carb Pizzaböden für Gast und mich aus Leinsamen. Spoileralert: Sie sind angekommen. Und ich sag’s mal so. Wenn ich ganz viel Hunger habe, werde ich vermutlich finden, dass die sehr ansprechend aussehen. Dann wollte ich backen, ganz viel und ohne viele Kohlenhydrate. Ich habe ja zwei Jahre eigentlich gar nicht gegessen, wenn es nicht sein musste, da ich gar keinen Appetit hatte, das ist vorbei, ich esse jetzt sehr gerne, aber auch, wenn ich gerne esse, komme ich normalerweise nicht auf die Idee, einen Kuchen zu backen. Aber so bestellte ich so einen Zuckerersatzstoff und einen anderen Zuckerersatzstoff, und Mandelmehl (damn, teuer!) und Johannisbrotkernmehl statt Stärke, und dann noch so Low-Carb-Kuvertüre, und dann, ich nehme vorweg, kam das alles an, aber backen ist zeitlich gar nicht mehr drin.

Was nämlich gestern dann passierte, war Folgendes: Ich telefonierte mit einer Freundin und erzählte von diesen Anschaffungen ohne Kohlenhydrate, dann kam eine kurze Pause, und dann sagte sie: „Warum machst du nicht den Brokkolisalat und so einen Glasnudelsalat?“ und ab dieser Sekunde wollte ich nie mehr etwas anderes essen als Brokkolisalat und Glasnudelsalat.

Und so habe ich heute morgen um 8 Uhr schon in der Küche gestanden, habe brav an einem digitalen Termin ohne Kamera und Ton teilgenommen und eine Gemüsebolo zubereitet. Also die ganz anstrengende, in der Möhren und Sellerie geraspelt werden und so. Dann machte ich erstmals einen Glasnudelsalat mit Minze und Koriander, der ganz hervorragend wirkt, aber nicht unaufwändig war. Dann machte ich meinen persönlichen Lieblingssalat, Brokkoli mit Cashewnüssen, Cranberries und Curry, der auch schon wieder viel aufwändiger war, als so ein Feldsalat mit Balsamico, aber, versierte Küchenmenschen werden es schon bemerkt haben: Beide Salate sind auch morgen noch ganz hervorragend und vollumfänglich teenagergeeignet (zumindest für den Teenager, dessen Lieblingsessen Sommerrollen ist). Dann habe ich noch gemischte Ottolenghi-Pilzpfanne mit Zimt gemacht, quasi auch als kalten Salat, und dann musste ich auch noch arbeiten, und dann regnete es in den Wintergarten rein, auf den Speisefön und den gerade am Strom hängenden Roller von Herrn H., und dann war irgendwann alles, was ich machen musste fertig, ich musste nur noch zwei Sachen im Supermarkt holen, und dann kam die Nachricht aus dem Zug, dass alles sehr kompliziert sei, man käme eine Stunde später und auch nur bis zum Hauptbahnhof, da die S-Bahn nicht führe. Das ist hervorragend. Da ich natürlich noch nicht angezogen bin, kann ich also jetzt bis 19.45 Uhr auf dem Bett liegen (erste Pause seit 8 Uhr) und mich ausruhen, dann gehe ich duschen, dann fahre ich in den Supermarkt und dann zum Bahnhof. Und dann ist Wochenende.

1 Gedanke zu „20.05.2022“

  1. Ich habe glaub ich nicht dazugesagt, dass die Gemüsebolo für die Lasagne morgen abend ist, aber das hätte nie jemand hinterfragt, wenn drei Teenager im Haus sind, stimmt schon.

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