15.11.22

Nichts ist älter als mein Geseiher von gestern, so sagt man doch. Jeder hat eine Sollbruchstelle, sollte ich demnächst wieder mit irgendeinem Nachhaltigkeitslamento kommen und irgendwas von „nur noch finale Dinge kaufen“ sagen, dann können Sie mich einfach wissend ansehen, milde lächeln und dann sagen: „Schuhe“.

Naja. Mein vermutlich finales benötigtes Paar Schuhe habe ich, keine Ahnung, 2012 gekauft? 2009 ging ich noch mal neu über los, hatte eine recht ansehnliche Schuhsammlung, die dann zu größeren Teilen obsolet wurde, weil ich im Laufe der Schwangerschaft eine halbe Schuhgröße dazugewann, dadurch dann einen Teil meiner Schuhe wieder aussortieren musste, was heute, 13 Jahre später, endlich verwunden ist, da ich ja jetzt auch viel älter bin und wahrscheinlich eh irgendwann mal auf komfortableres Schuhwerk umgestiegen wäre, aber naja, jedenfalls musste ich dann ein bisschen was nachlegen, und dann war ja der Fuß ab, und nachdem er wieder drangeschraubt war, musste ich mich erden und wechselte auf flasche Schuhe. Dann entschied ich damals, vermutlich war das übrigens wirklich schon so etwas wie final, welche drei Sorten Schuhe ich zukünftig trage, und das ist es jetzt. Ich habe eine ansehnliche zweistellige Anzahl von dreifarbigen Schnürschuhen, eines schöner als das andere, und ab und an, letzten Freitag zum Beispiel, schickt der Anbieter mir einen Gutschein, dann gucke ich, wo noch eine farbliche Lücke ist (letzten Freitag: dunkelblau und sehr businessgeeignet), und dann restocke ich. Die Schuhe, die ich anziehe, wenn ich in den Supermarkt gehe, sind auch seit Jahren gesetzt, ich trage Chelsea Boots, und weil es (ähnlich wie bei den Schnürschuhen) für mich immer netter ist, wenn ich einfach ganz oft das gleiche kaufen kann, das dann doch total anders aussieht, habe ich die gleichen Chelsea Boots in Schwarz, grau, dunkelbraun und hellbraun. Natürlich auch immer das gleiche Modell, es soll sich ja immer genau gleich anfühlen alles. Und dann trage ich natürlich noch Turnschuhe, wie so ein junger Mensch, und da, naja, ich will nicht zu redundant werden, habe ich natürlich ein Modell in sehr vielen Farben, eine habe ich sogar doppelt, sie ist nämlich sehr hell und sehr sommerlich und wird sehr schnell nicht mehr gut aussehen, also für schick, und dann habe ich die irgendwo für 30 Euro gefunden und einfach noch mal gekauft, weil ich mir ja sehr sicher bin, dass zumindest die Modellentscheidung final ist, und ich habe ja in jüngeren Jahren mal ein Paar Turnschuhe nicht gekauft, weil ich schon so viele hatte, und dann nahmen sie die Farbe aus dem Programm und muss jetzt bis an mein Lebensende weinen, weil ich keine Sambas in braun mit hellblauen Streifen habe. Das waren die schönsten Schuhe!

Naja, dann gibt es noch ein paar Eventschuhe, die aus diesem Raster fallen, aber das ist nichts, was ich üblicherweise kaufe. Wenn ich Schuhe kaufen möchte, kaufe ich *die* Schnürschuhe in einer neuen Farbe, *die* Stiefeletten in einer neuen Farbe oder *die* Turnschuhe in einer neuen Farbe. Insgesamt müsste ich wie gesagt nie mehr Schuhe kaufen, aber ja, ich kaufe gerne Schuhe.

Gestern war ich auf einer Veranstaltung. Bezugsperson A trug wunderschöne Turnschuhe, die ich noch nie gesehen hatte, aber ich interessierte mich mehr für die Veranstaltung, als für die Schuhe. Am Ende der Veranstaltung kam Person B, die von Bühnenschuhen in Zugfahrschuhe gewechselt hatte, und trug auch diese Turnschuhe, allerdings in einer anderen Farbe. Die beiden Trägerinnen stellten dies fest und unterhielten sich begeistert darüber, wie super die seien, wie bequem, wie hübsch, in wie vielen tollen Farben, und ich bemerkte einen leichten Schweißausbruch. Ich fuhr nach Hause und recherchierte nicht.

Heute sagte ich eine Kundenanfrage ab, dann rief Kunde an und diskutierte, ich wurde weich, und jetzt muss ich noch ganz neue, andere Dinge machen bis Jahresende. Spannend, aber: Zusätzlich. Lukrativ, aber: Zusätzlich. Ich bestellte die Schuhe in Farbe 1, sie sind teuer, aber sie sind toll. Dann sagte ich Frau N Bescheid, dass ich vermutlich einen weiteren Job mache muss und deshalb keinen Podcast machen kann, und dann machte ich Bratkartoffeln mit Spiegelei.

Und das habe ich jetzt wirklich elegant kommuniziert. War nicht geplant, aber ich lass das jetzt so.

9 Gedanken zu „15.11.22“

  1. Darf man den Namen der Turnschuhe erfahren? Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Paar, das ich so lieben könnte wie die einst unerreichbar scheinenden Knöchelturnschuhe von adidas, die ich mir als Teenager so heiß und so ausdauernd gewünscht hatte, dass dann 1. die Mauer fiel und man mir 2. hundert Mark Begrüßungsgeld gab.

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  2. Die Mehrfachkäufe finde ich äußerst sympathisch. Ich bin also nicht die einzige, die viermal nacheinander die gleichen Boots kauft und vier gleiche Bluse liebt. Kann mir durchaus vorstellen, das in den nächsten Jahren weiter auszubauen.

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