06.02.2024

Ich bin sehr müde, ich war beim Sport. Das war ja nun eine ganze Weile her, erst war Weihnachten, dann war Grippe, dann war Post-Grippe, dann war ich immer noch nicht in den Wechseljahren, und eigentlich wäre also gestern Wassergymnastik gewesen, allerdings gibt es gerade eine sehr schwierige medizinische Situation in meiner Familie, also nicht bei uns dreien und auch nicht bei Oma, aber es war nicht opportun, vom Telefon länger wegzugehen, und das war auch gut so. Also verschoben wir auf heute. In Düsseldorf ist man ja in der luxuriösen Situation, dass es sehr viele städtische Bäder gibt, die allesamt auch verschiedene Kurse anbieten, und dann muss man eigentlich nur gucken, wann man einen Kurs machen möchte, und dann guckt man, in welchem Bad abends einer ist. Natürlich kann man auch noch einmal kurz gucken, welche der Bäder im Einzelfall gut erreichbar sind – ich gebe es offen zu. Ich fahre zum Schwimmen, gerade im Winter, mit dem Auto, ich habe langes Dachshaar, ich müsste stundenlang fönen, um mir auf dem Heimweg nicht den Tod zu holen, und mit den Jahren bin ich ja zu einem Menschen mutiert, dem immer kalt ist, und ich denke, jede Form von ÖPNV nach dem Schwimmen abends spät im kalten Winter würde mich abhalten vom Hingehen.

Ich habe ja im Spätsommer damit begonnen, mit einer Freundin, und initial hatte ich so unfassbar viel Spaß, dass ich für einen kurzen Moment dachte, ich würde vielleicht ganz oft zur Wassergymnastik gehen wollen, theoretisch ginge das ja. Dann hörte ich in einem Podcast Sophie Passmann erzählen, dass sie oft in die Falle liefe, dass sie anfänglich bei einer neuen Sache denken würde, sie könnte ja jetzt so ein Mensch sein, der das immer macht, und dass das absolut immer scheitert. Das gab mir zu denken. Nichtsdestotrotz recherchierte ich ausführlich und stellte fest, dass in der Nähe ein Fitnessstudio ist, das jeden einzelnen Tag Wassergymnastik-Kurse anbietet, in der Woche sogar morgens und abends. Das fand ich toll, im allerersten Job bin ich mit meiner Freundin drei mal die Woche morgens um 8 Uhr in ein Fitnessstudio gegangen, und dann stellten wir uns nebeneinander eine Stunde auf einen Crosstrainer und korrigierten Hausarbeiten. Da wir auch zusammen arbeiteten, gingen wir anschließend duschen und fuhren ins Büro. Lustig daran war, dass wir beide gar keine Lust hatten, das war sehr schnell klar, aber dass das vielleicht gesund und gut für uns ist, hatten wir beide verstanden. Hin und wieder kam eine von uns morgens nicht raus, und bevor das einreißen konnte, etablierten wir das System, dass die, die Sport reißt, der anderen für 10 Euro einen Blumenstrauß mitbringen musste. Nun waren wir ja beide Hannah und prekär beschäftigt, das war also kein System, das trug, also gingen wir zum Sport, um nicht zu verhungern. 2004 verließ ich Deutschland, die Freundin vergaß, ihre Mitgliedschaft zu kündigen, drei Jahre später heiratete sie und sagte: „Toll, dann kann ich vielleicht vor der Hochzeit noch mal ins Fitnessstudio“, das war eine Woche vor der Hochzeit. Irgendwann kündigte sie.

Also dachte ich nach ein paar Wochen montags Wassergymnastik, ich könnte vielleicht so ein Mensch sein, der jeden Tag einmal kurz zum Sport geht, es gibt ja auch tolle Kurse morgens um 8. Da ich aber ja erwachsen bin und weiß, wie der Hase läuft, rief ich meine Fitnessstudio-Freundin, die inzwischen wieder meine Kollegin ist, an und sagte: „Was würdest du sagen, wenn ich eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft abschließen würde, damit ich endlich jeden einzelnen Tag Wassergymnastik machen kann?“ Sie musste nicht lange überlegen und sagte: „Mach das nicht und kauf dir direkt drei Paar Schuhe, das Geld ist besser angelegt.“

So habe ich es dann gemacht, ich gebe zu, ich war noch ein bisschen traurig, und zack, jetzt ist Februar, und das Schönste, was ich dieses Jahr gehört habe, ist, dass die Wassergymnastik-Freundin nächste Woche Karneval macht und in der Woche drauf in Urlaub ist. Zwei Wochen kein Sport. Wie schön.

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