Herzregen im Urlaub 7 – Irgendwas mit Glas

Wir können es abkürzen: Wir haben insbesondere in den letzten beiden Tagen sehr viel und sehr opulent gegessen, und an Tag 6 oder 7 oder was auch immer in das Land, in dem es sowieso immer sehr leckeres Essen gibt und mit der Maßgabe, dass man einfach isst, was und wie oft und wie kostspielig man möchte wegen Urlaub, ist jetzt auch irgendwann mal gut. Die anderen machen jetzt noch einen Nachtspaziergang, ich nicht, ich möchte nicht spazieren, ich spaziere seit einer Woche ununterbrochen, jetzt möchte ich mal sitzen, und zwar nicht auf einem Restaurantstuhl, sondern auf einem gemütlichen Sofa, dabei esse ich Lakritze, die farblich sehr gut passen werden zu den Tintenfischnudeln mit mit Minze mariniertem Schwertfisch und Zucchini, und morgen gucken wir alle, ob wir nach einer Woche in Italien noch in Badekleidung passen, dann machen wir nämlich einen Strandtag. Seit den 80ern wissen wir ja, dass man in jedem hormonellen Zustand baden kann, aber auch das Meer ist eine Aktivität, die mir weniger Spaß machen wird, als es möglich wäre. Ich bin aber ja sehr hart im Nehmen, also Meer. Unsere größte Hoffnung ist ja, dass wir dort endlich einmal schlechtes oder wenigstens durchschnittliches Essen bekommen, bitte wünschen Sie uns Glück.

Ansonsten haben wir heute getrennt Sachen gemacht, und zwar wild durch die Gruppe. Kind N ist immer noch etwas angeschlagen und bis zum Abendessen erst gar nicht aufgestanden, Herr und Kind H sind in das naturhistorische Museum gegangen, eine klimatisierte Aktivität, die ansonsten eher unterdurchschnittlich gut war, wenn ich das richtig verstanden habe, und Herr und Frau N sind mit mir nach Murano gefahren, wo Herr und Kind N neulich schon waren, der Rest aber nicht. Ich war darauf vorbereitet, dass es vielleicht nicht ganz so spannend wird, wenn man nicht wie Ona Glasfrösche sammelt, also fuhren wir im 200 Grad heißen Vaporetto dort hin, starben dann fast sofort, weil Sonne und heiß und schrecklich, dann retteten wir uns auf der Straße vom Anleger weg in den ersten Glasladen (eventuell haben wir etwas übersehen, aber mir schien, es gibt wirklich einfach überhaupt nichts anderes als Glasläden auf Murano), und dann überraschte Frau N mich mit der Frage, ob wir uns Freundschaftsringe kaufen sollten, so ganz große Glasringe, wie man sie sonst eher von pensionierten Deutschlehrerinnen kennt. Völlig überrumpelt stimmte ich zu und kaufte Frau N einen Ring, der gut zu ihr passte, und sie kaufte mir einen Ring, der gut zu mir passte.

Bild

Dann kaufte ich dem Kind noch einen Glasfrosch, der wirklich sehr schön war und sicherlich nicht von seinem Budget bereits gekauft war (er hatte 12 Glasfrösche gekauft, die waren aber so akribisch sicher verpackt, dass sie erst in Deutschland wieder ausgepackt werden können, also wusste ich nicht, welche er schon hat), dann kaufte ich Herrn H noch einen Weinflaschennupsi, den Frau und Herr N und ich gemeinsam aussuchten und der beim freudigen Auspacken später an Herrn H ein sehr erschrocken angewidertes Gesicht, dann ein freudig-gespielt begeistertes Gesicht hervorrief, aber gut, was will er machen, es ist jetzt sein Nupsi, alle anderen fanden ihn schön.

Egal, wo war ich? Ach ja, die Freundschaftsringe. Frau N hatte sich natürlich was dabei gedacht, und das war wie erwartet sehr klug: Ihr Plan war: Aus dem Boot aussteigen, dann Ringe kaufen, dann hat man bereits das Gefühl, ein Andenken zu haben und etwas Typisches gekauft zu haben, dann ganz entspannt in weitere Läden gehen und nichts mehr kaufen wollen, denn man hat ja schon was und ja, die Kette war vielleicht farblich sehr gut zu dem Oberteil, aber machen wir uns doch nichts vor, weder Frau N noch ich werden jemals eine Glasperlenkette tragen, und dann muss man sich die auch nicht kaufen, wir hatten ja auch schon die Ringe.

Bild

Ein großer Vorteil ist, dass wir beim nach dem Essen eingeschobenen Ründchen Doppelkopf direkt ein neues System einführen konnten. Seit wir uns kennen, moderieren wir neue Gesprächsabschnitte an, Sie kennen das aus dem Podcast. Das neue Level ist: die Stimmung des Gesprächs durch Ringsymbolik anmoderieren. Wenn Frau N den Ring ablegt und auf den Tisch legt und dann so über ihre Brille guckt, naja, dann duckt sich der Rest vom Tisch. Das ist ja auch ein lustiges System.

1 Gedanke zu „Herzregen im Urlaub 7 – Irgendwas mit Glas“

  1. Die Ringe sind sehr schön. Und so gleich und so verschieden wie Sie beide.
    Genießen Sie Venedig, es ist ein Traum.
    Glasfrösche sammeln finde ich im Übrigen äußerst witzig.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Consent Management Platform von Real Cookie Banner