30.10.2026

Hoch die Hände, Wochenende. Das ist jetzt in diesem Fall gar nix Gutes, ich müsste nämlich dringend etwas tun, was ich nicht tun kann, also ich könnte, aber der Kopf möchte nicht, und ich kann ja nicht über meinen Kopf hinweg entscheiden. Ich hätte in dieser Woche für die Anwältin die Entwicklung von August 2025 (letzter von ihr erfasster und mit in die Dinge eingebrachter Stand) aufschreiben müssen, sowie das Chronologie-Dokument von Herrn H. filzen. Der führt nämlich seit Januar 2025 täglich Buch, wie es mir geht, welche Medikamente ich genommen habe, wie meine Körpertemperatur ist, welche Ärztin was warum sagt, usw. Das Ganze in Tabellenform. Wir sind inzwischen bei 170 Seiten, und wenn Sie sich fragen, warum ich von Seiten spreche: Ja, weiß ich auch nicht. Er hat sich im Januar 25 dafür entschieden, eine Tabelle in Word zu führen, das hat man dann davon, wenn die Person, die S-Verweis kann, im Koma liegt und die Person, die keinen S-Verweis kann, das dokumentieren will.

Ich kürze ab. Diese Tabelle wurde zwischendurch immer mal wieder auch zum Tagebuch von Herrn H., vielleicht hätte er auch einen guten Blogger abgegeben. Ich weiß jedenfalls jetzt, dass ich irgendwann mit Frau N. in einer Zahnklinik war, ich weiß gar nicht, warum, ich habe keine Erinnerung. Ach doch. Guck. Ich habe sie in die Zahnklinik gefahren. Morgens. Dann nach Düsseldorf. Prima, Kopf funktioniert doch noch. Jedenfalls war mein Wunsch, die privaten Sachen aus dem Dokument zu entfernen, das hatte ich in der ersten Runde auch so gemacht. Ist ja schön, dass man alle möglichen Dinge hinterher stichwortartig nachsuchen kann, ob das jetzt zig fremde Leute, die mir nicht zwingend wohlwollend begegnen, auch wissen müssen, ist eine andere Frage. Jedenfalls bin ich jetzt im November 2025, mir ist gerade zum dritten Mal hintereinander eine Naht auf der Blase gerissen, weil ich einen Wasserkasten hochgehoben habe (ob das überhaupt der Grund war, weiß ich gar nicht, ich hebe jedenfalls in diesem Leben nie mehr etwas, ich habe keine guten Erfahrungen), und jetzt habe ich keine Lust mehr, das weiter zu lesen. Vor einer Stunde hatte ich noch den Plan, parallel in einem weiteren Dokument Dinge zusammenzufassen, das hatte ich schon vertagt, es schien mir zuviel, jetzt will ich allerdings einfach gar nichts mehr machen. Und da ich mir angewöhnt habe, nur noch zu machen, worauf ich Lust habe, habe ich nun ein Problem. Eventuell kann ich einfach eine Stunde lang was anderes machen, und dann bitte ich Frau N. mal, mir zu sagen, dass ich das jetzt machen *muss*, das hilft manchmal. Seit Februar 2025 hatte ich ja den großen Luxus, dass sie die gesamte Kommunikation mit der Anwältin übernimmt, erst konnte ich lange nicht, dann wollte ich nicht, dann musste ich mich immer projektilartig übergeben, wenn ich eine Mail von ihr im Postfach hatte, und bevor man zum kompletten Nutjob wird, sucht man sich halt jemanden, der die Schwere abnimmt. Aber jetzt muss ich mal selber ran. Ich muss mich in Stimmung bringen. Aperol um 20 nach 2 ist keine Option, denke ich.

Und dabei wollte ich eigentlich über den Spiegelartikel schreiben, Sie wissen schon, aber das hatte ich mir ja so vorgestellt, dass ich das abends mache mit einem Aperol in der Hand, erschöpft und zufrieden, weil ich Arbeit, Buchhaltung und Anwaltsaufgabe erledigt habe. Vielleicht hätte ich sogar noch etwas dazu gehört, gesehen, gelesen oder, auch gut, selber darüber nachgedacht, so weit ist es aber jetzt nicht gekommen, und ich kann mir vorstellen, dass ich jetzt einfach schlafen gehe. Zum ersten Mal seit einer Woche bin ich müde, vielleicht nutze ich das aus. Gestern jedenfalls las ich den Spiegel Artikel, naja, und dann fragte ich mich für einen Moment, ob denn überhaupt niemand meinen Blog liest. Dass man solche Sachen nirgendwo unverschlüsselt hinlegt und keine offenen Dateien rumschickt, das hatte ich ja schon mal ausführlich erklärt. Dass man auf politischem Parkett häufig mit sehr viel Unprofessionalität konfrontiert ist, ist mir bekannt. Verwundert bin ich dennoch jedes Mal aufs Neue.

Die Frage, ob der Spiegel das lieber in der Schublade hätte lassen sollen, hat mein Bauchgefühl gestern schon sehr schnell beantwortet, und zwar mit Nein. Ob die Form jetzt schön war, da können wir drüber streiten, zwischenzeitlich bekam man fast vom Scrollen einen tauben Daumen, wenn man auf der SPON-Startseite mal ein anderes Thema sehen wollte. Das war nicht so mein Geschmack, aber in der Sache fand ich es – ohne mich jetzt sehr ausführlich damit zu beschäftigen, vielleicht entscheide ich zeitnah anders, ich teile das dann mit – richtig. In den Neunzigern, ich arbeitete als feste Freie bei einer großen Tageszeitung, hatte ich mal einen Termin, der Bundespräsident besuchte das ansässige Rathaus. Warum ist mir im Nachhinein schleierhaft. Jedenfalls war es so, dass wir erst einmal in die Kantine gelotst wurden, dort saß er, rauchend, über ihm hing ein riesiges Schild „BITTE NICHT RAUCHEN“. Damals nahm man zu solchen Terminen einen Fotografen mit, der in der Redaktion eine eigene Dunkelkammer hatte. Ich bat meinen Fotografen – wir hatten sogar zwei, einer superhot, einer gar nicht hot, das war der gar nicht hotte, den superhotten habe ich neulich mal gegoogelt, um dann festzustellen, dass ich einfach unfassbar alt bin, denn die Männer, die bereits graue Schläfen hatten, als ich 20 war, sind jetzt halt eine Stufe vor Jopie Heesters, aber weiter im Text – der nicht hotte Fotograf machte das Bild vom Bundespräsidenten rauchend unter dem Schild, und in der Redaktion erklärte mir der Lokalchef das Konzept „eine Hand wäscht die andere“, wir machen das Bild jetzt mal weg, und dann ist auch niemand auf uns sauer. Es ging natürlich um gar nichts, ich verstehe, dass man für einen Gag nicht den Bundespräsidenten vorführt, aber als leitende Prämisse schien mir der Ansatz nicht zu taugen. Vielleicht denke ich noch ein bisschen weiter darüber nach. Ein schönes Anschauungsobjekt ist die Sache in jedem Fall.

Schreibe einen Kommentar

Consent Management Platform von Real Cookie Banner