4,5 Stunden Schlaf, damit war Angela Merkel 16 Jahre Bundeskanzlerin, und die hatte sicherlich einen volleren Kalender als ich. Na gut, gegen Ende hatte Merkel diese Zitterattacken, vielleicht war es alles was viel, und sowohl Frau N. als auch ich waren mal in beruflichen Sondersituationen – sie hat das mal selbst erzählt, daher darf ich das, außerdem hat sie mich gestern in ihrem Blogbeitrag beleidigt, sie wird heute nett zu mir sein – die dazu führten, dass man plötzlich nicht mehr weiß, wo man wohnt. Ich stand immerhin im Auto genau auf der Hälfte zwischen Büro und Zuhause, Frau N. saß gegenüber von ihrem Haus auf dem Bürgersteig. Gut ist dann natürlich, wenn man jemanden kontaktieren kann, der weiß, wo man wohnt, also rief sie mich an, schilderte, wo sie genau ist, und ich habe sie in die Wohnung gecoacht. Wie kam ich drauf? Ach ja. 4,5 Stunden Schlaf sind besser als 1, ich gucke erst noch mal, ob sich das vielleicht weiter nach oben entwickelt. Noch weiß ich ja, wo ich wohne, und beide Autos kann ich auf Distanz orten, das ist auch gut, muss ich mir schon mal nix merken, wenn ich außer Haus bin. Wo ich allerdings erste Tribute zolle, ist in einem Einzelfall das Gebiet der Orthographie. Schon wieder falsch formuliert, Einzelfall und ganzes Gebiet passt nicht zusammen, ich lass das jetzt so. Jedenfalls schrieb ich vorgestern, gestern, wer weiß das schon, zweimal das Wort akkurat, dann machte ich völlig andere Dinge, und plötzlich kam ein Gedanke aus irgendwelchen Tiefen des Amphibiengehirns und sagte: „Akkurat schreibt man mit einem k“, und dann war ich erstaunt, googelte schnell, sah aus dem Augenwinkel eine Liste von Belegstellen (Akurat Küchen, polnischer Wikipediaeintrag, Handwerksbetrieb aus Köln, etc., und kam zu dem Entschluss, dass ich wohl zeitlebens akkurat falsch geschrieben hätte. Ich entschuldigte mich beim Adressaten wortreich (hier schon wieder eine Falle für übermüdete Sprachzentren: Deutsch ein d, Englisch 2, ich schreibe immer erst 2 und lösche dann eins), trötete dann noch auf Mastodon, wie erstaunlich das ist, dass ich zeitlebens ein Wort so falsch schreibe, dachte lange darüber nach, dass das Wort in allen anderen Sprachen, die mir einfielen, ja mit 2 Konsonanten geschrieben wird, und lernte dann Stunden später in einem Kommentar mit Duden-Verlinkung, dass man akkurat natürlich doch mit 2 k schreibt, wenn man nicht über einen Küchenhersteller oder den Kölner Handwerker schreibt. Nun bin ich erst mal sehr beruhigt, dass ich nicht zeitlebens ein Wort so falsch geschrieben habe, andererseits müsste ich mich ja jetzt schon wieder entschuldigen, und nein, irgendwann ist auch mal gut. Ich werde irgendwann wieder ausgeschlafen sein, dann kann ich auch wieder rechtschreiben.
Ich denke immer noch viel an München, und wie schön das war. Anstrengend, also offenbar nicht körperlich, sondern im Kopf, aber schön. Ich habe mich so sehr gefreut, so viele Leute einmal zu sehen, die mich schon so lange begleiten. Ob ich allen gerecht geworden bin, weiß ich nicht. Ich hätte noch ein paar Leute gerne länger gesprochen, aber die Zeit war kurz und die Menschen waren schüchtern. Ich ja auch, man sieht es mir nur nicht so an. Ich habe dann in Zeitreihen gedacht und stellte fest, dass ich – persönlich – die Organisatorin Frau Klugscheißer am allerlängsten kenne. Sie hatte einst eine Nacht in Düsseldorf und fragte mich, die Neubloggerin, ob ich mit ihr in ein Restaurant gehen wollte. Ich wollte, obwohl ich gar nicht mehr weiß, ob ich etwas bestellt habe, ich war etwa im 28. Monat schwanger und konnte ja nie essen, vermutlich trank ich einen Himbeerblättertee oder was auch immer die Industrie Frauen glauben machen will, wenn sie hormonell vulnerabel sind, egal, jedenfalls war das mein allererster persönlicher Kontakt. Am Samstag sah ich auch zum ersten Mal Frau Croco persönlich, die kam nämlich halb-echt direkt danach. Croco hat mir zur Geburt ein Präsent geschickt, dem Kind zur Konfirmation ein Buch über Pflanzen, das auf sehr fruchtbaren Boden gefallen ist, und jetzt haben wir uns auch mal gesehen. Die zweite Person aus dem Internet, die ich in meinem Leben persönlich getroffen habe, ist leider nicht mehr bei uns. Mark793 kam mich kurz nach der Geburt zuhause besuchen und schenkte dem Kind einen Frotteegreifling, das Schweinchen von den Lieben Sieben. Dann kam irgendwann Frau N, und den Rest kennen Sie ja. Wen ich aber noch viel länger kenne als all die Leute, die ich am Samstag getroffen habe und – und das meine ich jetzt ganz lieb – wer mich emotional am meisten angefasst hat, so sagt man ja – ist der Mantel von der Kaltmamsell. Als sie sich Freitagabend im Restaurant von uns verabschiedete, stieß ich einen kleinen Schrei aus, der Puls ging hoch, da stand er. Meine erste große Liebe. Der Wildledermantel von H&M, anno 2002. Ich hatte ihn auch, vielleicht sogar in der gleichen Größe wie die Kaltmamsell, was erklärt, warum ich ihn jetzt nicht mehr habe, aber ich habe den Mantel geliebt. Stellen Sie sich vor: ein ganz schlichter, knielanger Mantel aus schwarzem Wildleder. Kein Schnickschnack, gar nichts. Nicht zu dick, nicht zu dünn, dezent gefüttert. Ich weiß gar nicht, ob es wirklich 2002 war, dass ich ihn gekauft habe, aber ich glaube der Kaltmamsell das mal, theoretisch kann das sein. Ich selbst hätte auf 2000 getippt, ich sehe mich dem Mantel auch im Studium tragen, 2002 hatte ich schon Examen, aber gut, ausgegangen bin ich immer noch viel, ich erinnere mich jedenfalls an viele Nächte, an denen er mich begleitet hat. In San Francisco war er auch noch mit, dort hat er beste Dienste geleistet, weil er sehr gut gegen Wind schützte, ohne zu warm zu werden. Wenn ich mich im Herbst oder Frühling abends etwas mehr herrichten wollte, gab es zwei Varianten: Rote Pumps und rote schmale Lederhandschuhe, schwarze Hose, schwarzer Mantel, oder das gleiche in Creme. Ich denke, es ist für alle besser, dass ich nicht mehr reingepasst hätte, sonst hätten die Kaltmamsell und ich jetzt vermutlich ein juristisches Problem.
Ich weiß, dass der Mantel sogar noch in diese Wohnung mit umgezogen ist. Das war 2015. Damals kam er zusammen mit anderen Kleidungsstücken, die ich alle sofort wieder tragen würde, wenn ich wieder aussehe wie vor der Geburt (ist nie passiert), in den riesigen Einbauschrank in der Einliegerwohnung im Souterrain. Die würden wir nicht nutzen, also vorerst (2026 kann ich sagen: nie), aber ich sah die einmalige Chance, einen Schattenschrank zu führen, in dem im Sommer die Winterjacken hängen, und ganzjährig alle Dinge, die ich aus Gründen erst irgendwann wieder tragen könnte, dabei aber so an ihnen hänge, dass ich sie niemals wegwerfen könnte, egal, langweilig. Ich spule vor: Der Keller war doch etwas feuchter, als wir dachten, und dann verendete eine Maus in dem Schrank mit der Kleidung, die fanden wir ein Jahr später, der Geruch war unerträglich, und Herr H. warf ungefragt alles weg. Bis auf das Hochzeitskleid, und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich mit fester Stimme sage: Das war das einzige Kleidungsstück, das ich vermutlich nicht noch mal anziehe.
Ich habe mich so sehr gefreut, dich zu sehen und zu hören 😉 alle anderen natürlich auch :p mir ging es allerdings wie so manch anderer auch: übermenscht mit der Menge an Leuten, die man irgendwie kennt und dann aber ja doch nicht. Und wie ihr das mit 2 Partyabenden nacheinander gemacht habt, ist mir immer noch ein Rätsel. Egal, vielleicht klappt es ja nochmal in übersichtlicherer Runde. Ganz viel Liebe nach Düsseldorf! <3
Auweia, jetzt vermisse ich den Wildledermantel, den ich Ende des letzten Jahrtausends in Prag second Hand gekauft habe aber ganz ganz schlimm. Dabei hab ich jahrelang nicht mehr an ihn gedacht!
Mir fällt allerdings beim besten Willen nicht mehr bei welchem meiner vielen Umzüge der Inter die Räder gekommen sein könnte 😢
☺️Ich weiß sogar noch, als es einen Mops gab und kein Kind. Ich habe fast mal in Kaiserswerth eine Frau mit Mops angesprochen, weil ich dachte, das bist Du. Das ist wirklich ewig her. Hab mich riesig gefreut, Dich in 3 D und Farbe zu sehen. Aber danach war ich auch zu schüchtern, stimmt.
Ach, liebe Frau Herzbruch,
ich bin sehr froh, dass Sie ein medizinisches Wunder sind – das wissen wir ja alle. Dass Sie zusätzlich aber auch noch länger Kinder austragen als Elefanten beeindruckt mich wieder einmal. 32 Monate? Ich meine, den Beschreibungen nach ist Jonathan extrem gut gelungen und gut Ding will Weile haben und so, aber das ist halt akkurat ein paar Monate zu lange :).
Vielleicht müssen Sie doch noch etwas länger schlafen?
Herzliche Grüße
Findusine-Eva
Aah, 28 Monate Herzbruch, Elefant nur 22 Monate, hiermit korrigiert.