Ich soll Ihnen von meiner Therapeutin ausrichten: Alles wird gut. Ich habe ein Hoch und bringe einfach als Basis immer extrem viel Energie mit in alles, was ich mache, also auch jetzt, es wird vergehen. Mehr muss ich ja nicht wissen. Der Plan ist nun der: Ich bin gerade nach Hause gekommen, esse jetzt zwei Packungen Blaubeeren und zwei Packungen Himbeeren, und dann gibt es eine kleine Lorazepam, und dann gehe ich schlafen. Was ich jetzt natürlich noch recherchieren muss, ist, wie ernst man den Hinweis „Kein Alkohol“ mit Schlafmitteln nehmen muss, es gab nämlich eine Notsituation, und die kam so.
Heute früh bekam ich eine WhatsApp von einer Düsseldorfer Festnetznummer. Also die WhatsApp kam sicherlich von einem Handy, aber der Name der Person war – Sie wissen, was ich sagen will. Eigentlich sollte man ja morgen vorbeikommen, jetzt wäre es aber besser, wenn man heute Nachmittag vorbeikommen könnte, noch besser sei natürlich, wenn einfach ich vorbeikommen könnte. Es ist ja so: Ich lebe seit 1995 eher urban, ich weiß nicht, wer im Nachbarhaus ist, wenn es klingelt und ich erwarte niemanden, bleibe ich sitzen, und wenn mich jemand darüber informiert, dass er oder sie morgen kommen sollte, lieber aber heute kommt, oder vielleicht komme einfach besser ich, möchte ich sagen: Hier kommt jetzt erstmal niemand, fremde Person! Dann irgendwann verstand ich aber, dass das die Person ist, die den Blumenladen betreibt, aus dem das Internet mir zum Geburtstag Blumen geschickt hat. Und jetzt formuliere ich weiter, möchte aber vorher sagen, dass NIEMAND das jetzt in den falschen Hals kriegen soll, ich habe mich – auch heute – uneingeschränkt gefreut. Gut, eingeschränkt, wegen Kommunikation. Aber ich fange weiter vorne an. Seit vielen Jahren habe ich immer frische Blumen auf dem Tisch stehen, das macht mir Freude. Ich hasse jede Form von Topfpflanze, fast jede, Geigenfeigen finde ich super, aber ich versorge nicht mehr, schon gar keine Blumen. Also kaufe ich Schnittblumen, stelle sie auf den Tisch und erfreue mich daran. Vor zwei Jahren kaufte ich eine grüne Iittala Alto, passend zur Wandfarbe, und die wurde durchgehend befüllt. Als ich von irgendeinem Krankenhausaufenthalt nach Hause kam im letzten Jahr, hatte ich mir vorher einfach selber Blumen geschickt, damit ich mich auf Zuhause freue, und dann war die Vase nicht auffindbar, ich fragte das Kind, es wusste von nichts, ich fragte den Mann, er zuckte die Schultern und sagte: „Die hatte einen Sprung, ich hab die weggetan. Wir haben doch noch diese lustigen Karaffen von Ikea.“ Ich schickte ihm einen Link. Jedenfalls war es dann so, dass die erweiterte Puscheltruppe, ich lasse das jetzt mal uneingeführt, lesen Sie nach, mir zum Geburtstag Blumen schickte, man hatte aber so fleißig gesammelt, dass man drei Sträuße schenken konnte, nicht nur einen. Inapoe machte sich die Mühe, alle Blumenläden in der nördlichen Hälfte von Düsseldorf zu recherchieren, und dann bekam einer, der sehr schön aussah, den Zuschlag, mir dreimal einen Strauß zu liefern. Und jetzt kommt der Teil, wo man mir uneingeschränkte Wertschätzung unterstellen muss! Ich bin fast irre geworden, und zwar, weil der Laden so unorganisiert war, dass für jede Lieferung mindestens 10 Nachrichten ausgetauscht werden mussten. Immer begonnen mit „Liebe X, ich wünsche dir einen sonnigen Morgen. Leider muss der Kurier heute zur Darmspiegelung, daher würden wir lieber morgen früh die Blumen vorbeibringen. Oder übermorgen. Oder du schreibst mir fix, wann es dir am besten passt, dann gucken wir, ob wir das hinkriegen.“ Ab dem Punkt dann mindestens 9 weitere Iterationen, und wenn es gut lief, also 1 von 3 mal, kam dann jemand zum verabredeten Zeitpunkt. Ich hatte zwischenzeitlich die Vermutung, dass die Floristin eine neue beste Freundin sucht und in mir Potenzial sah, ich würde ja sicherlich nett sein, wenn ich ständig Blumen bekomme. Wenn alle Hürden dann genommen waren, bekam ich jedoch jedes Mal einen Strauß, der seinesgleichen sucht. Wunderschön. Es war also absolut richtig, die Mühen der Übergabeplanung auszuhalten. Letztes Wochenende kam meine Freundin Anke mich besuchen und brachte einen ebenso wunderschönen Strauß mit. Sie erzählte, dass sie den Laden durch Zufall gefunden hätte. Die Frau sei jedoch so kompliziert und umständlich und unorganisiert gewesen – ich sagte „Halt, sprich nicht weiter, ich weiß Bescheid.“ Aber wie gesagt, die Sträuße machen es wett, sie sind wunderschön. Ich werde dort immer Sträuße kaufen.
Ich guckte also in den Kalender, wusste, dass ich zwischen 13 und 17 Uhr unterwegs sein würde und bot an, vorbei zu kommen. Während ich es so tippe, wird mir schon wieder langweilig, ich hatte dann vorm Laden nämlich noch eine unangenehme Situation mit dem Ordnungsamt, aber das ist egal. Sie wollte den Strauß rausbringen, es dauerte aber etwas, das Ordnungsamt fand unsere Lösung schlecht, ich fuhr irgendwann nach Hause. Auf dem Weg rief ich in dem Laden aber noch mal an und fragte, ob da keine Karte bei gewesen sei. Nein, keine Karte, sie habe lediglich die Info, dass ich am Samstag eine Karte bekommen hätte, der Strauß gehöre dazu. Nein, das war nicht hilfreich, ich war am Samstag auf dem ultimativen Bloggerevent der 20er Jahre gewesen, und ich habe dort auch Karten bekommen. Zuhause fand ich dann zufällig ein Paket, und aus der Ferne wusste ich schon, wer es geschickt hatte, es war liebevoll eingepackt und verziert, das kannte ich bereits! Darin eine liebe Karte von der Puscheltruppe, ein Glas selbstgemachte Orangenmarmelade, die ich sehr liebe, und eine Flasche selbstgemachten Vin d’Orange, was insofern lustig ist, dass ich am Samstag neben Christin Jordan und Joriste saß, und Christin hatte mir vor ein paar Jahren selbstgemachten Vin d’Orange und Gin geschickt, und Joriste hatte Vin d’Orange übrig, ich erzählte von Inas und ich hatte all meine geschenkten Flaschen schon leergetrunken. Jetzt dies. @Joriste, aber die Flasche war nicht sehr groß, ich habe noch Raum im Schrank. Vielen Dank, liebe Puscheltruppe, ich habe mich über alle Maßen gefreut. Hicks.

Ich komme noch mal zu dem Hoch zurück, heute morgen kommentierte nämlich jemand auf Mastodon, dass man da schnell Migräne kriegen würde. Ich habe etwa 2002 auf einer Party – ich hatte gerade den ersten Migräneanfall meines Lebens erlitten – von einem jungen Mann erklärt bekommen, wie Migräne entsteht. Ich stand also mit einem Getränk auf der Party, er sprach mich an, wir unterhielten uns, unglücklicherweise kam das Thema auf Kopfschmerzen, ich erwähnte, dass ich nie Migräne gehabt hätte, jetzt zum ersten Mal, sei gar nicht toll, und er sagte: „Ein Migräneanfall wird üblicherweise ausgelöst durch einen Orgasmus, den man hätte haben müssen, den man aber nicht hatte.“ Ich habe mir nie die Mühe gemacht, das weiter zu recherchieren, gebe aber unumwunden zu, dass ich den Satz auch nie mehr aus dem Kopf bekommen habe. Ich hatte seit 2002 8 mal Migräne. Was sagt das über mich?
Die Webseite der Betty-Ford-Klinik sagt, man dürfe Lorazepam niemals mit Alkohol nehmen. Auch nicht mit einem Glas Sekt. Your bad. Ich hoffe, ihr habt heute abend alle nix vor, ich bin jedenfalls wach 😉
Ist ja noch früh der Abend. Prost!
Das mit dem Orgasmus ist ein unfassbar misogyner Quatsch aus der Zeit, als man noch dachte, Frauen schützen Kopfschmerzen vor, um keinen Sex haben zu müssen, und dass Männer keine Migräne haben.
(Das mit den Benzos und dem Alkohol stimmt, aber wie ich dich kenne, machst du dir nix daraus.)
Wenn ich mich recht erinnere, wurden Vibratoren gegen Kopfschmerzen erfunden. Es ist nicht alles schlecht. (Oder das ist auch gelogen 😉 ) Ich war auch nicht sehr beeindruckt und wollte mich nicht von ihm medizinisch versorgen lassen.
Und doch doch, ich habe schon umgeplant. Benzos morgen. Ich hab mir in letzter Zeit aus gar nix was gemacht, weil es ja auch keinen Unterschied gemacht hätte. Aber jetzt mache ich ja in Longevity, und das möchte ich nicht in der Betty-Ford-Klinik erleben!
Herrje, dieser Migräneanfall. Nie wieder werde ich DIE Erklärung vergessen.