16.10.2023

Heute beschweren sich alle über die deutsche Bahn, ich kann da mitmachen. Zwar nur indirekt, da ich ja gar nicht (mehr) so oft Bahn fahre, aber ich habe in drei Jahren Pendeln Düsseldorf-Frankfurt immer sofort Phantomschmerz, wenn jemand sich über die Bahn beschwert, wenn ich die Augen schließe, sehe ich mich auf einem Abstellgleis in Köln Messe Deutz warten, oder ich fahre in „Sichtfahrt“ im Dunklen von Frankfurt nach Frankfurt Flughafen, die Strecke ist weiter, als man im Sprinter je gedacht hätte.

Herr H. zum Beispiel, der mit der Deutschen Bahn ins Büro fährt, in die nächste Großstadt aus der hiesigen Großstadt, und der sich sehr freute, als wir eine Wohnung mit 100 Metern Abstand zur S-Bahn Haltestelle kauften, die directamente in die nächste Großstadt fährt, naja, eingerechnet hatte er nicht, dass da ständig nix fährt. In den gesamten Sommerferien gibt es auf der Strecke „Schienenersatzverkehr“, jeder Teil des Kompositums ist eine einzige Lüge, und die Frage ist überhaupt, wie viele Stellwerke so eine Bahnstrecke eigentlich haben kann, dass man neun Jahre lang in allen Sommerferien einfach den Betrieb einstellt. Es ist übrigens auch nicht so, als würden entlang dieser Strecke nur Lehrer:innen S-Bahn fahren. 6 Wochen Schienenersatzverkehr ist keine Option!

Letzte Woche war er leider betroffen von einem Personenschaden, ich hatte gerade Event mit Frau N, dann mussten wir an unseren Personenschaden in Tschechien letztes Jahr denken, das war nicht schön. Heute war nur einfach wieder normaler Ausfall, alles war im Ersatzverkehr, nichts fuhr, was irgendwie angemessen schnell gewesen wäre, dann wollte er tricksen und in Ratingen in ein anderes Gefährt steigen, das auch hier in die Gegend fährt, fuhr es aber nicht, es fuhr nach Ansage einfach durch zum Hauptbahnhof, und so war er letztendlich hin und zurück für 70 Kilometer 5:40 Stunden unterwegs, das Kind musste sich wie Kaspar Hauser selber Nudeln kochen, weil die Mutter bei der Gymnastik war, und morgen früh um 7 fährt Herr H. wieder ins Büro. Mit der Bahn. Weil seine Theorie ist, man muss nur durchhalten, als Signal.

Ich halte nicht durch. Ich muss Ende der Woche in Niedersachsen Professorin spielen und fahre mit dem Auto. Weil ich Sonne tanke, zumindest sagen die Ladesäulenbetreiber mir das, habe ich zumindest nicht so schlimme Autoscham, aber seien wir ehrlich: Ich habe die Pendelei nach Frankfurt ganz akribisch zur Vorbereitung von Vorlesungen genutzt, und ich HASSE, dass ich mit dem Auto fahren werde und dadurch die letzten 4 Stunden Vorbereitung vorher absolviert haben muss, um mich dann auf der Autobahn zu langweilen. Wie doof ist das denn? Andererseits muss ich Donnerstag so ankommen, dass die Sekretärin noch da ist, dann muss ich von der Hochschule zum Hotel, welches aus bestimmt irgendwelchen total selbstlosen Gründen nicht das große neben dem Hörsaal ist, sondern ein Scheiß-Waldhotel 10 Kilometer vom Hörsaal entfernt, ich war kurz ganz begeistert, dass mir ein Hotel gebucht wird, aber gut, was man nicht selber macht. Und dann ist es irgendwann Samstagabend, ich habe gerade 8 Stunden hinter mich gebracht, ich habe Hunger und will nach Hause, und dann kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass ich irgendwo in Paderborn, ich sag jetzt einfach irgendein Wort, ich habe keine Ahnung, ob das auf den Weg ist, vermutlich nicht, gut, nehmen wir Osnabrück, aber gut, ich habe keine Lust, abends in Osnabrück zu stranden, weil nix mehr fährt, oder irgendwo 3 Stunden auf dem Gleis warten, das habe ich neulich gemacht, aber da war ich weder müde noch war mir kalt. Es ist keine Option.

Liebe Deutsche Bahn. Ich bin 100%ig bereit. Bitte fahrt mal, dann fahre ich mit, aber nur, wenn ich das vorab planen kann. Mit so etwas wie einem Fahrplan.

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