11.02.2024

Es ist verrückt und bildet mich in meiner Persönlichkeit eigentlich überhaupt nicht ab, aber ich bin immer noch hervorragend gelaunt. Seit dem Moment, an dem ich gestern verstand, dass *nicht* Sonntag ist und morgen *kein* Arbeitstag ist (und dabei arbeite ich total gerne, fällt mir gerade auf, das mal untersuchen lassen vielleicht), bin ich so gut gelaunt, dass ich mir selber auf den Geist gehe. Heute zum Beispiel war schon wieder so ein hervorragender Tag, Sonntag ist Straßenkarneval in Düsseldorf, wir waren eingeladen bei den Eltern von Teenager Arthur, ich glaube übrigens, dass wir noch nie irgendwo anders waren als dort, und es kam nicht ganz unerwartet: Wir hatten keine große Lust, morgen ist ja auch noch Zooch, da habe ich ein kleines bisschen mehr Lust, seit ich nicht mehr aufpassen muss, dass mein Kleinkind nicht unterm Trecker landet, kann ich mich auf die teils sehr guten Mottowagen von Jacques Tilly konzentrieren, was wiederum ein kleines bisschen kaputtgemacht wird durch die Tatsache, dass ich kein Büro mit sauberer Toilette mehr an der Kö habe, das war sehr praktisch, aber gut, man kann nicht alles haben, das war ja ein selbstgewähltes Schicksal, andererseits kann man auch nicht seine Karriere nach einem Klo und einem Tiefgaragenplatz an der Königsallee ausrichten, das ist die falsche Motivation.

Ona wollte irgendwann später zu Teenager Arthur stoßen, also gingen wir erst mal alle zusammen in den Wald, für Fiene ja immer das Allerschönste, wenn alle mitkommen. Sie spulte brav in kürzester Zeit das ganze Repertoire ab, Baden in der Tränke, Ball auf dem Flugplatz, heimlich um die Ecke rennen und in einem Schlammloch verschwinden, mit einem Riesenast Rentner mähen, und als alle Levels durchgespielt waren, gingen wir nach Hause. Ich ging duschen, zog mich an, setzte mich in den Sessel und realisierte: Ich habe heute nichts mehr zu tun und muss auch nicht zum Karneval. So viele Endorphine kann man gar nicht produzieren. Vor lauter Entspannung machte ich doch schnell noch eine Waschmaschine an, der Teenager ging los, beschwerte sich schon in der Bahn, wie asi das alles sei, ganz viele sehr stark alkoholisierte Menschen, wir fühlten uns also bestätigt in unserem Stubenhocken und guckten Handball.

Wie großartig ist eigentlich 2024? Also wenn wir jetzt mal von all den wirklich schlechten Sachen absehen, ist der technische Fortschritt mit einer Komfortsteigerung versehen, die, wenn ich sowieso schon so gut gelaunt bin, mich vor Rührung fast weinen lässt, bildlich gesprochen. Ich erinnere mich an meinen Vater, der im Sommer im Garten auf der Bank saß mit einem Radio, in dem er der Fußball Bundesliga Konferenzschaltung folgte, und wenn die Sportschau lief, durfte niemand stören, das war ja die einzige Möglichkeit, mal mit eigenen Augen zu sehen, wie jemand Fußball spielt. Also von zuhause aus. Wir sitzen jedenfalls seit längerer Zeit auf dem Sofa und gucken gerade das fünfte Handballspiel des aktuellen Spieltages, weil wir es können. Vielleicht bin ich danach für heute fertig mit Handball, vielleicht aber auch nicht, es sind ja noch ein paar Spiele übrig, die kann ich dann gucken. Einfach so. Toll.

Was ich übrigens auch lustig fand, war eine Email, die ich heute von Sahra Wagenknecht bekam. Also nicht nur ich, sondern alle Leute, die sich aus unterschiedlichen Gründen für die Mailingliste des BSW angemeldet haben. Ich habe das gemacht, weil es mich interessiert und ich es lustig finde, ich bin auch als AfD-Konkurrenz nicht unglücklich darüber, dass es sie gibt, aber in einer wirklich perfekten Welt wäre die größte Konkurrenz der AfD eine echte politische Partei, die eine tragfähige Idee hat, Menschen, die nicht einfach nur auch mal wieder ins Fernsehen wollen, sondern echte Politik machen, und die Welt, Klima, Wirtschaft, einfach alles in Deutschland nach vorne bringen wollen. Das sehe ich nicht beim BSW, und ich mag natürlich voreingenommen sein und auf bestimmte Themen direkt anspringen, aber was mir bislang von der programmatischen Ausrichtung hängengeblieben ist, ist: Gendern ist doof, zu viele Ausländer sind doof, Heizungsgesetz ist doof, Russland ist gut, Gas verbrennen ist gut. Das überzeugt mich nicht, aber gut, wir warten mal, was passiert, immerhin haben sie Fabio Di Masi, wir hatten das Thema, der muss mehr liefern können als das.

In der Mail wurden Menschen dazu aufgerufen, Unterstützungsunterschriften zu schicken, damit die Partei zur Europawahl aufgestellt werden kann. Dazu müssen ein paar kleine Dinge vorab erledigt werden, und wer jemals in irgendeiner Form Menschen dazu bewegen wollte, irgendwas zu machen, weiß: Ich wünsche viel Glück. Tränenlachsmiley. Wie viele Leute das machen müssen, wird nicht verraten, ich habe auch keine Lust, es zu recherchieren, sie werden das schon schaffen.

6 Gedanken zu „11.02.2024“

  1. 2000 Unterschriften, glaube ich, wenn man nur in Deutschland antritt.
    etwas Überschuss für Ungültige wäre gut – müssen alle wahlberechtigt sein und dürfen noch nicht für eine andere Partei unterschrieben haben.
    das schaffen die bestimmt, wobei ich es lustiger fände, wenn nicht…

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