10.11.22

Wenn ich sicherstellen möchte, dass Frau N mir nicht mehr die ganze Zeit irgendwelche Botschaften mit irgendwas mit Podcastzimmer schickt, muss ich dafür sorgen, dass sie bis zu dem Tag, an dem wir entscheiden, ob es einen Podcast gibt oder nicht, nämlich am 30.11., also morgen, das Thema komplett ausspeichern kann, ich selber möchte mich eigentlich nicht mit dem Thema befassen, aber noch viel weniger wollen wir alle, dass sich Frau N befassen muss, sonst kann sie von nichts anderem mehr sprechen als dem Podcastzimmer, und Redundanz müssen wir uns ja für die Adventszeit aufsparen.

Neulich kaufte ich ein Geburtstagsgeschenk, und weil es so schön ist, kaufte ich es mir auch, es gehört zu den Dingen, die man final kauft. Meine Mutter hat ziemlich genau dieses Ding auch, ich sah es neulich, als ich in ihrem Nachttisch etwas suchte, und dann war ich sehr überrascht, sie benutzte es nämlich schon, als ich ein kleines Kind war. Ich habe dann kurz gerechnet, kam zu dem Entschluss, dass für den Fall, dass das 2022er Modell ebenfalls 46 Jahre lang hält, ich es gefahrlos anschaffen kann, das wäre dann nämlich final geklärt.

Es ist nicht einfach, das Konzept „nur noch finale Dinge Kaufen“ umzusetzen, aber ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin. Ich sprach neulich mit Frau N darüber, im Gegensatz zu ihr konsumiere ich nämlich gerne. Das ist wie Fleischessen, in der Theorie weiß ich, dass ich das nicht oder nur sehr wenig tun sollte, aber in der Praxis mache ich es zu gerne. Also habe ich mir ein Ziel gesetzt, was einerseits meinen ökologischen Fußabdruck langfristig verbessert und andererseits für meinen veränderungsaversen Kopf sehr angenehm ist: Eben dies, ich kaufe nur noch finale Dinge. Das funktioniert nicht auf allen Gebieten, stelle ich ermattet fest, aber in großen Teilen geht das Konzept auf. Als ich die Wohnung kaufte, mussten Küche und Bad angeschafft werden, und mein wichtigstes Kriterium lautete: Es muss so sein, dass ich 35 Jahre nichts ändern möchte. Ich bin das Gegenteil von den Kund:innen, die sich eine Küche aus Serie XY kaufen, weil man dann nach 10 Jahren die Fronten austauschen kann. Was für ein furchtbarer Gedanke, ich könnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als Fronten auszuwechseln. Meine Begeisterung für die Vollholztüren und -zargen, die ich neulich kaufte, war auch nur temporär, mir gefiel der Gedanke, schöne Altbau-Holztüren zu haben, seit Herr H. die alte Zarge ausgebaut hat, ist nicht mehr so viel passiert, was in Teilen an mir liegt, weil ich mich bei der Arbeit ungerne durch Kernsanierung stören lasse, naja, wir werden sehen, wie lange ich ohne Türe leben kann. Der nächste Schritt waren Lampen, ich werde in diesem Leben keine Deckenlampe mehr kaufen, ich kann mir allerdings auch gar nicht vorstellen, dass irgendeine Deckenlampe mir besser gefallen könnte, als die, die ich habe, ist das auch erledigt. An Möbeln bleibt der Wackelfaktor das Sofa, ich weiß nicht, wie viele Jahre das halten wird, andererseits benutzen wir es auch quasi zweimal im Monat, wir haben uns in den sofafreien Jahren abgewöhnt, es zu benutzen. Die Stühle am Esstisch sind alt und schlecht, die Nachfolger sind in der Pipeline, aber ich muss mich ein wenig zügeln, ich möchte auch nicht in einen Rausch geraten. Beruflich habe ich Dinge neu gekauft, aber Arbeitsgeräte zählen nicht, wenngleich ich auch hier durchaus große Freude empfinde, dass sie da sind und hübsch und funktionierend, wie ich es komfortabel finde.

Frau N fragte neulich besorgt, ob ich dann nicht irgendwann in ein tiefes Loch falle, wenn ich alles final gekauft habe. Das ist ein naheliegender Gedanke, aber nein, völlig unbegründet, aus folgendem Grund: Ich sehe ja, dass all die Dinge, bei denen ich mich final festgelegt habe, mir große Freude bereiten. Seit über einem Jahr habe ich die Regalwand im Wohnzimmer, und jedes Mal, wenn ich morgens ins Wohnzimmer komme, freue ich mich. Seit einem Jahr. Ähnlich die Lampen, etc. Ich möchte nie Abwechslung, mir gibt der Gedanke, dass ich nie mehr über ein Regal nachdenken muss, eine große Zufriedenheit und Ruhe. Ebenso die Waschmaschine. Die soll jetzt bitte so lange halten, bis irgendwelche anderen Leute für mich waschen, weil ich in der Schattigen Pinie residiere. Und so wird es mit den Stühlen auch sein. Ich möchte das Projekt zum 50. Geburtstag abgeschlossen haben, im Moment meine ich zu sehen, dass Stühle und mein Bett noch mal ersetzt werden müssen. In Küche und Bad habe ich alles, und auch allergrößtenteils in finaler Form, ich muss nie mehr was für die Küche kaufen, ich warte jetzt also, bis das nächste Elektrogerät wieder kaputt geht.

Den Rest werde ich noch drei Jahre gut monitoren, schlechte Dinge gegen die, die ich wirklich mag, austauschen, und dann ist es irgendwann getan, und ich kann meine Kauffreude da ausleben, wo sie auch gut hin kanalisiert werden kann: Seife, Socken und Nahrungsmittel (wobei das mit den Socken auch schon wieder schwierig werden könnte, ich habe mir in den letzten Tagen 10 Paar Wollsocken gekauft, weil die anderen 10 Paar Wollsocken der gleichen Marke, die ich seit immer standardmäßig im Winter trage, jetzt wirklich mal durch waren, ich habe sie alle schon gehabt, als ich noch zuhause wohnte. Bei meiner Mutter hieß es immer, wenn mein Vater fragte, ob sie einen neuen Pulli hätte: „Ach Quatsch, den hatte ich schon in Meiderich.“ Zu Beginn ihrer Ehe wohnten sie mal ein Jahr in Meiderich, und wenn ich mir so angucke, was meine Mutter da alles schon gehabt haben will, muss es ein Palast gewesen sein).

5 Gedanken zu „10.11.22“

  1. „finale Dinge“ ist eine schöne Formulierung. Grundsätzlich strebe ich das auch an. Die Praxis zeigt leider, dass vieles dann doch nicht für ein Leben gebaut ist … und es hängt ja auch von der Dauer des eigenen Lebens ab.

    Schwiegermutter hat zum dritten Mal den letzten Fernsehsessel gekauft. Die ersten beiden waren zu billig = auf zu kurze Lebensdauer ausgelegt. Kann mit Ü90 schon mal passieren, dass man denkt, dass das langt … Der aktuelle wird vermutlich lange genug halten …

    Antworten
  2. i feel you. gibt ja eine menge menschen die sich wundern dass der restaurator, der sich einiger hier wohnhafter möbelstücke annehmen musste, mehr kostete als eine komplette neue wohnungseinrichtung. und dass ich mit meiner kleinen wohnung durchaus zufrieden bin – ich brauch keine grossen feste mehr geben, und wenn, dann ist das auch kein problem weil fingerfood und selbstbedienung und ausreichend sitzmöbel, und die kästen und tischchen und sessel sind so zwischen 120 und 220 jahre alt, und ich meine, die haben erstens eine wiederinstandsetzung verdient gehabt, zweitens kommen sie sowieso aus der familie, und drittens: die leben schon sehr lange miteinander an verschiedenen adressen, die kann man also nicht trennen.
    entsprechend sind wandfarbe, bilderrahmen, sitzbank (na gut, die ist neu, aber musste halt auch passen) quasi vorherbestimmt, farbe wie stil, geschirr muss dazu passen, und damit nix sein kann wenn was ist: allergiker wie meinereine haben küchenprobleme, also wohnzimmerkasteln aus echtholz und ein küchenkastl von der urgrossmutter mit verschiedenen marmorplatten drauf. hat mir so vorgeschwebt als ich noch gar nicht in dieser wohnung wohnte, aber, tadaa: alles rechtzeitig gerettet aus den händen der eigentlichen erben mit dem standpunkt „biedermeier ist schon trockenes holz und ist super zum unterzünden“ und „so ein geschirr hat man doch heute nicht mehr“(mein bruder, der trottel, und meine schwägerin, die lieber was modernes, zeitloses vom möbelhaus wollte, mit 20 jahren nachkaufgarantie), das design meines geschirrs gibt es auch schon länger: https://www.porzellan-porcelain.de/herend/rothschild, und ich hab mir dau 30 servietten und mehrere tischbänder mit dem streumuster gestickt, und wenn irgendein teil irgendwo auf der welt runterfällt, dann kriegt man das mit sicherheit nach. muss jetzt niemandem gefallen ausser mir, und die erben werden es gut verkaufen können, aber: sowas von kein kopfweh mit einrichtungskauf wie ich hab macht mir so schnell niemand nach.

    Antworten
  3. Ich platze jetzt vor Neugier, was das wohl für ein Geburtstagsgeschenk sein mag, was man sich selber gleich mit für in alle Ewigkeit kaufen kann (und dann ganz lange im Nachttisch braucht). Ich hoffe auf die Auflösung zu gegebener Zeit 😉

    Antworten
  4. … und ich drücke für die Entscheidung am 30.11. die Daumen.. Ich würde mich sehr freuen 🙂.
    Ja, Finale Dinge hört sich sehr gut an!!! Würde ich genauso nehmen..
    Schönen Samstag 🌞

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Consent Management Platform von Real Cookie Banner