09.11.2022

22.01 Uhr, oder wie wir sagen: Feierabend. Ich habe geschummelt und bereits ein Nutellabrötchen gegessen. Ja. Ich war auch nicht glücklich, aber ich hatte gestern eine Linsensuppe gekocht, was man so macht, wenn man nicht arbeitet, aber ich habe jetzt 3 Mahlzeiten lang Linsensuppe gegessen, fürs Abendessen ging das dann nicht mehr, ich brauche eine Pause, war bei der Ente ja auch so, und dann kam um 21 Uhr Herr H aus dem Büro (ganz erschöpft, well) und aß drei Nutellabrötchen, während seine Suppe warm wurde, und dann hatte ich wieder FOMO und naja, Rest kennen Sie ja. Ich mag gar kein Nutella.

Ich saß heute 14 Stunden am Schreibtisch, das ist lang, aber nicht länger als in den Wochen vor dem Urlaub, langsam gewöhne ich mich. Ich merke derzeit auch nicht, dass mir das etwas ausmacht, ich habe eigentlich keinen Stress, mache zu großen Teilen Dinge mit Exceltabellen statt Menschen, what could be bad? Mein Vater hat sein Leben lang 16 Stunden pro Tag gearbeitet, aber der war klüger und fing morgens um 3 Uhr an. „Vor 8 ruft keiner an, da hab ich schon 5 Stunden was gemacht“, sagte er immer. In meinen späteren Jahren im Haushalt meiner Eltern saß er meist schon im Büro, das sich im Haus befand, und bat mich, ihm einen Kaffee hoch zu bringen, wenn ich nach Hause kam. Ich wollte nie so werden, und eine Sache ist klar: Der Hauptgrund, warum ich so arbeite, wie ich arbeite, ist darin zu finden, dass ich einfach immer selber entscheiden möchte, wann ich aufstehe. Streckenweise klappt das auch sehr gut und ich stehe gemütlich so auf, dass ich zumindest um 9 Uhr ans Telefon gehen könnte, aber in meiner Branche ist das Jahresendgeschäft das, wo plötzlich allen einfällt, was man noch machen könnte, und dann wird das halt alles gemacht. Ich finde das toll, Mitleid ist nicht nötig. Bis Weihnachten werde ich 8 bis 22 Uhr arbeiten, aber das ist okay, mein Vater sagte immer: „Ich mache nichts lieber als das, was ich mache, warum sollte ich was anderes machen?“ Ganz da bin ich nicht, wobei ich manchmal zu Hochformen auflaufen kann, ich gehe aber auch sehr gern ins Theater, das tat mein Vater nicht, vielleicht wäre alles anders gewesen, wenn er gerne ins Theater gegangen wäre.

1 Gedanke zu „09.11.2022“

  1. kommt nicht die bewegung zu kurz, oder hast du einen dynamischen schreibtischstuhl? ich kann verstehen, dass du dir die arbeitszeiten selbst aussuchen willst, habe ich auch die hälfte meines arbeitslebens getan und bin froh, nun rentnerin zu sein. linsensuppe vermehrt sich auch bei mir immer beim kochen, ich friere die hälfte ein und spare mir einmal kochen in der anderen woche. einen gelungenen tag wünscht roswitha

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