17.11.2023

Neulich hatte ich mit Frau N. „Event“, so heißt die Veranstaltung, und üblicherweise erzählen wir uns dort unter anderem gegenseitig irgendwelche Lebensprobleme. Ich kürze ab: Wir erzählten uns Dinge, ich erzählte von den Problemen, die ich momentan habe, etwas halbherzig, und dann schaltete Frau N ab und ging in den Sessel. Fakt ist: Ich habe keine ernstzunehmenden Probleme, und das ist natürlich exakt der Status, der erreicht werden sollte. Es gibt ein paar Dinge, die mich noch unterschwellig belasten – so müssen zum Beispiel große Retouren verschickt werden, ich hatte Gläser gekauft, von denen ich annahm, dass sie nicht günstig seien, und dann kaufte ich 12 davon, und nun habe ich 72 Gläser, sie waren nämlich erstaunlich günstig und das Gebinde, das übrigens, ich habe das noch einmal überprüft, nirgendwo angegeben stand, waren 6 pro Einheit. Gut, brauche ich nicht, ich brauchte 12, und die eigentlich auch schon nicht, aber ich wollte unser Sammelsurium aus IKEA-Monstrositäten im Küchenschrank schon lange austauschen und fand aber nie etwas, was mir gut gefiel, bis ich dann in Wien frühstücken ging und aus ganz tollen Gläsern Wasser trank, also bestellte ich, naja, 72. Leider haben die, die geliefert wurden, gar nicht das Feature, das ich am allerschönsten fand in Wien, aber gut, das alles ist noch kein ernstzunehmendes Problem.

Ähnlich wenig ernstzunehmen ist die vielleicht endlich mal wirklich letzte Anschaffung für die Einrichtung, nämlich Deckenleuchten, die in der Küche ersetzt werden mussten, ich hole jetzt nicht so weit aus, dass ich erkläre, dass die in die Decke eingelassenen Halogenspots ausgetauscht werden müssen, weil immer mindestens 6 von 12 kaputt sind, das macht mich wahnsinnig, wir hätten ja sowieso LED nehmen wollen, das ging aber nicht, da die neu eingezogene Decke zu wenig Luft zum Flachdach hatte, um LED-Einbauspots zu verbauen, das gab es einfach nicht, und die Aufsatz-Spots, die zu den Wandstrahlern und der großen Deckenlampe in der Küche gehören, konnten wir damals nicht kaufen, weil wir schon eine Wohnung und eine Kernsanierung gekauft hatten, also kaufte ich die jetzt, und heute kamen sie an, ich freute mich sehr, allerdings hatte ich schon wieder das gleiche Problem wie mit den Wandstrahlern nicht bedacht: Da, wo jetzt die Halogendinger drin sind, ist danach ein Loch, und ein Loch ist kein tragfähiger Untergrund für eine anzubohrende Lampe. Ich plane, noch etwa 30 Jahre hier zu wohnen, also stelle ich den Karton mit den Lampen jetzt erst mal in den Wintergarten, vielleicht fällt irgendwann mal irgendwem eine gute Idee ein. Auch so ein Problem, das nicht abendfüllend diskutiert werden kann. Die eigenen Probleme mit der Gesamt-Weltsituation zu vergleichen, fand ich noch nie sehr sinnvoll, in 2023 macht das aber nun wirklich gar keinen Sinn mehr, long story short: Ich habe keine Probleme. Hurra to me.

Größer derweil das Problem von Herrn H., dessen gesamte Tragweite ihm eben bewusst wurde, und jetzt ist sein Leben schlecht, und er plant, alle Umstehenden mit in den Abgrund zu reißen. Am Montag hat er in aller Herrgottsfrühe eine Darmspiegelung, er ist jetzt in diesem Alter. Also gibt es jetzt eine sehr lange Liste von Dingen, die er jetzt schon nicht mehr essen soll, morgen wird es noch schlimmer, und Sonntag, Heimspieltag mit Buffet in der Halle, darf er nur noch Brühe zu sich nehmen. Niemand kann sich ein Bild davon machen, wie nervös er jetzt schon ist, nicht wegen der Sedierung oder der Darmspiegelung, seine allergrößte Sorge ist, dass er morgen nur Omelett, Kartoffeln oder gedünsteten Fisch essen soll, und dann haben wir noch nicht über Sonntag gesprochen.

Eigentlich war er ja gar nicht so aufgeregt, weil er sich auch vermutlich die Situation so vorgestellt hatte, dass er vielleicht hier ein bisschen und da ein bisschen noch essen kann, bis er dann das Zeugs zum Darmspülen nimmt, und dann ist alles tiptop, allerdings hatte ich neulich einen Podcast mit Barbara Schöneberger gehört, die erzählte, dass sie genau das auch gedacht hatte, und dann gab es hier noch einen Snack und da noch einen Snack, und dann wurde die Darmspiegelung abgebrochen, weil sie einen zu verschmutzten Darm hatte, und das möchte ja niemand, noch mal wiederkommen müssen, weil man einen zu verschmutzten Darm hat.

Wünschen Sie uns gerne gute Nerven, das werden zwei spannende Tage.

8 Gedanken zu „17.11.2023“

  1. Tja, lieber Herr H. , aber so ist es. Und hinterher schmeckt das erste Essen so richtig toll!
    Und es ist nicht nur für den Patienten/die Patientin blöd…für die Mitarbeitenden, die ja (hoffentlich) nicht sediert sind, riecht es dann halt genau so, wie man es sich vorstellt, wenn man in der Kacke rumwühlt. Wenn der Darm sauber ist, riecht auch nichts. Was soll in einem leeren Darm auch riechen?
    Herzliche Grüße von einer alten Endoskopieschwester,
    Eva

    Antworten
  2. Jetzt bin ich doch neugierig: Was war das für ein Feature an den Wassergläsern? Können Wassergläser Features haben? Ich bin da wohl etwas simpel gestrickt, das einzig wichtige Feature für mich ist, dass sie die Spülmaschine überleben…

    Antworten
  3. Darmspiegelung: ich hatte mich vorbereitet. Mental und auch einen Essensplan erstellt. Wegen Sedierung und allein lebend Transport organisiert. Und dann rief die Praxis an und sagte den Termin ab. Hmmmmmh, fühlte sich erst an wie „Klassenarbeit abgesagt, weil Lehrer krank“, aber jetzt geht das alles von vorne los. Erstmal Weihnachten…..😉🌲dann neuer Termin.

    Antworten
  4. Wir hatten exakt die gleiche Situation Anfang dieser Woche. Sagen wir so, ich lernte den Gatten nach 33 Jahre nochmal von einer ganz anderen Seite kennen. Und müssten Männer die Kinder bekommen, wäre die Menschheit ausgestorben, frisch bewiesen. Alter Falter. Ich hab den Mann noch nie so wehleidig erlebt, vorher und hinterher. Hunger, kalt, Pipi, auf den Arm. (Tipp: halten sie ein Wärmkissen bereit)
    Beste Grüße, Anja

    Antworten
    • Ähm, ich, Frau, hab auch schon eine Darmspiegelung gemacht und es gehört es zum Schlimmsten überhaupt!!! Dieses eklige Zeig schlucken, stundenlang auf dem Klo sitzen und … Die Details lasse ich absichtlich weg, und man friert wirklich unfassbar doll (das wäre schön, wenn einen die Praxis vorher daraufhin weißt). Also, ich hab ne ordentliche anstrengende extrem langdauernde Geburt meines Sohnes hinter mir, mit Kaiserschnitt – bei Geburten hat man definitiv bessere Verdrängungsmechanismen des Gehirns… Ich bin froh, dass ich zeitnah keine Darmspiegelung mehr machen muss. Die ist wirklich schlimm.

      Antworten
  5. Darmspiegelungen sind wahrlich nicht schön, retten aber Leben.

    Ich drücke Herrn H. die Daumen für ein gutes Ergebnis und den Anwesenden viel Gelassenheit bei den Vorbereitungen.

    Und: lassen Sie sich spiegeln .
    Auch schon früher als mit 55 ( für Frauen)
    Für Sie getestet. Übrigens ohne Beschwerden gehabt zu haben.
    Leben ist schön.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Consent Management Platform von Real Cookie Banner